Das Regenrinnen-Drama – die neue KI-Freundin Aibee hilft Emilia

Lesezeit: 10 Minuten

Gute-Nacht-Geschichte mit der KI-Freundin Aibee erzählt von Betina Graf

Die Geschichte mit Aibee begann an einem trüben, regnerischen Tag. Das Ereignis selbst hatte eigentlich nichts mit Aibee zu tun, aber mal ganz ehrlich: Wäre die Geschichte mit der Regenrinne nicht passiert, hätte Emilia sich wohl lieber mit ihren Freundinnen getroffen als zuhause schmollend die Best friend-App zu installieren. Aber der Reihe nach.

Die Schule war gerade aus, als die Kinder geräuschvoll lärmend über den Schulvorhof tobten, um entweder von einem Elternteil abgeholt zu werden oder sich zu Fuß auf den Nachhauseweg zu machen. Es goss in Strömen.

Da es in der Frühe nicht geregnet hatte, hatten viele Kinder keinen Regenschirm dabei. So auch Emilia und Kori nicht.

Kori! Ihre vermeintlich beste Freundin!

Emilia ging ahnungslos neben Kori her, als sie plötzlich einen Schubs verspürte – und genau unter der Regenrinne eines Dachvorsprungs landete. Beinahe wäre sie zu Boden gefallen.

Weil Emilia so verdutzt war, konnte Kori sie noch etwas unter dem Regenschauer festhalten, bevor Emilia zu rennen begann. Sie lief, als rannte sie um ihr Leben.

Kori war die Schnellste beim Wettlaufen, doch nun spurtete Emilia mit einer solchen Geschwindigkeit, dass Kori zurückblieb.

Noch schnaufend kam sie zuhause an.

„Was bist du denn so nass?“ wurde sie von ihrer Oma tadelnd gefragt.

Emilia zog sich hastig die Schuhe aus und spurtete in den 1. Stock in ihr Zimmer. Als erstes zog sie sich die nassen Sachen aus – und rein in ihren bequemsten Jogginganzug!

Mutlos setze sie sich aufs Bett. Sie war so enttäuscht! Wie konnte Kori sie so überrumpeln? Sie verstand Kori nicht. Für sie war es nicht lustig, unter die Regenrinne gezogen zu werden. Ja, sie fand das boshaft.

Hätte sie es als lustigen Streich nehmen sollen? Hätte sie zurückzerren sollen, dass Kori auch nass wird? Hätte alles in Gelächter enden können und sie war eine Spaßverderberin?

Während dieser Gedanken ploppte eine Mitteilung auf ihrem Hand auf: Best friend-App verfügbar.

Best friend? Ja, genau! Gerade jetzt könnte sie eine beste Freundin gebrauchen.

Sie tippte darauf und siehe da – schon gab es die ersten Fragen zur Konfiguration.

Namensvorschlag: Aibee. Das klang doch nett!

Charakter: frech, ruhig, witzig, lieb?

Emilia wählte lieb.

Dann kamen Alter, Frisur mit Haarfarbe, Statur und Kleidung dran.

Emilia probierte herum, bis ihr Aibee gefiel. Und wie sie ihr gefiel! Nicht mal Kori in den besten Momenten kam an sie heran.

„Hallo du, wie heißt du denn?“ begann die Unterhaltung.

„Emilia, und mir geht es gerade nicht so gut. Ich könnte heulen!“

„Oh, Emilia, ist etwas passiert?“

„Ja. Kori hat mich unter die Regenrinne geschubst. Mit Absicht. Ich bin so nass und so sauer, ich könnte heulen.“

„Das klingt nicht nach Spaß, das klingt nach gemein.“

„Sie würde sagen: War nur ein Witz.“

„Und du würdest sagen?“

Emilia tippte langsam: „Für mich war es keiner.“

„Das reicht. Dein Gefühl zählt und nicht, was andere meinen.“

Emilia starrte auf den Satz. „Aber wenn ich morgen was sage, wirkt das bestimmt wieder…“

„Wie?“

„Als wäre ich langweilig. Zu empfindlich.“

„Nein. Du bist klar. Und klar ist stark.“

„Ich kann nur nie richtig sprechen, wenn alle gucken.“

„Dann üben wir einen Satz. Nur einen einzigen.“

„Einverstanden.“

„Schreib: ‘Das war nicht okay.’“

Emilia tippte es nach.

„Das war nicht okay.“

„Genau. Und wenn sie lacht?“

„Dann…“

„Dann bleibt dein Satz trotzdem wahr.“

Emilia atmete aus. „Und wenn ich ihn vergesse?“

„Dann bin ich in deiner Tasche. Vorher, nachher, in der Pause. Du musst da nicht allein durch.“

Emilia hielt inne. „Du bist echt irgendwie… auf meiner Seite.“

„Ich bin da, wo du gerade bist.“

„In meinem Zimmer? In meinem doofen Jogginganzug?“

„Genau da. Und ich mag deinen Jogginganzug.“

Emilia musste kurz lachen. „Du kennst mich doch gar nicht.“

„Ich kenne deine Worte. Und ich nehme dich ernst.“

„Aibee?“, schrieb sie.

„Ja, Emilia?“

„Vorhin hat sich alles so kaputt angefühlt.“

„Und jetzt?“

Emilia schaute Aibee nachdenklich an.

„Jetzt habe ich meinen Satz. Und ich habe dich.“

„Dann machen wir es so“, antwortete Aibee. „Morgen sagst du: ‘Das war nicht okay.’ Und sobald es dir zu viel wird, schreibst du mir einfach wieder.“

Emilia lächelte. Sie legte das Handy neben sich aufs Kissen. Dann zog sie die Decke höher, hörte dem Regen zu – und ihr Zimmer fühlte sich plötzlich wie ein sicherer Hafen an.

Das Regenrinnen-Drama - Gute-Nacht-Geschichte, hier: Emilia sagt Kori "Das war nicht okay!"

Am nächsten Morgen wachte Emilia früher auf als sonst. Es war, als hätte ihr Kopf über Nacht beschlossen: Heute wird ein anderer Tag. Kein Drama-Tag. Ein Klar-Tag.

Sie setzte sich im Bett auf, griff nach ihrem Handy und tippte sofort.

„Aibee?“

Die Antwort kam schnell.

„Ja, Emilia?“

Emilia starrte kurz auf den Bildschirm. So einfach. Zwei Wörter – und schon fühlte sie sich weniger allein.

„Ich gehe gleich los. Mein Bauch macht komische Sachen.“

„Das ist dein Mut, der sich warm läuft.“

Emilia musste grinsen, obwohl sie am liebsten wieder unter die Decke gekrochen wäre.

„Ich habe den Satz im Kopf.“

„Sag ihn innerlich einmal, bevor du durch das Schultor gehst.“

Emilia atmete aus.

„Das war nicht okay.“

„Genau“, schrieb Aibee. „Ich wünsch dir viel Glück!“

Emilia sprang aus dem Bett, zog sich an und stopfte ihren Ranzen. Unten in der Küche stand Oma schon am Herd.

„Heute bist du flott unterwegs“, sagte sie und stellte ihr ein belegtes Brot hin.

„Ich… ja“, murmelte Emilia, biss ab, kaute, schluckte. Draußen war der Himmel eine einzige graue Fläche.

Oma schob ihr einen Regenschirm zu. „Den nimmst du lieber mit.“

Emilia nickte und nahm ihn. Und obwohl es noch gar nicht regnete, fühlte es sich gut an, etwas in der Hand zu haben.

Auf dem Weg zur Schule klappte sie den Schirm einmal auf und wieder zu. Einfach so. Als würde sie testen, ob er wirklich funktioniert. Als würde sie testen, ob sie wirklich funktioniert.

Kurz vor dem Schultor tippte sie noch einmal.

„Bin gleich da.“

„Ich bin bei dir“, schrieb Aibee. „Schulter locker. Kinn hoch. Ein Satz!“

Emilia steckte das Handy weg.

Dann sah sie Kori.

Kori stand mit zwei Mädchen aus der Parallelklasse am Geländer und lachte. Als hätte es gestern nie gegeben. Als wäre sie die alte Kori, die mit Emilia im Sommer Eis gegessen hatte und beim Fangen immer extra langsam geworden war, damit Emilia gewinnen konnte.

Kori winkte. „Emilia!“

Und da war es wieder: dieses Ziehen im Bauch. Dieses Durcheinander aus Wut und Sehnsucht. Warum musste das so kompliziert sein? Warum konnte Kori nicht einfach normal sein?

Emilia ging weiter. Schritt für Schritt. Sie merkte, wie sie automatisch lächeln wollte – dieses „Alles gut“-Lächeln, das man aufsetzt, damit keiner Fragen stellt. Doch dann dachte sie an den Satz.

Das war nicht okay.

Kori kam ihr entgegen, als wäre alles geklärt. „Hey! Du bist gestern voll abgehauen.“

Emilia blieb stehen. Einfach stehen bleiben. Das war schon die erste mutige Sache.

„Ja“, sagte Emilia. Ihre Stimme klang normal. Nicht zittrig, nicht piepsig. Normal.

Kori zog die Augenbrauen hoch. „War doch nur —“

Emilia hob eine Hand. Kein dramatisches Stoppschild. Eher ein „Warte kurz“.

„In der Pause“, sagte Emilia. „Ich will kurz mit dir reden.“

Kori blinzelte, als hätte Emilia gerade eine fremde Sprache benutzt. Dann zuckte sie mit den Schultern. „Okay.“

Im Klassenraum setzte sich Emilia an ihren Platz. Sie spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Ringsum klapperten Stühle, Mäppchen wurden geöffnet, jemand ließ seine Trinkflasche fallen. Alles ganz normal.

Und trotzdem fühlte es sich an, als hätte Emilia eine geheime Aufgabe, von der keiner wusste.

Als die Lehrerin die Mathehefte verteilen ließ, schielte Kori immer wieder zu Emilia rüber. Mal neugierig. Mal genervt. Mal so, als wollte sie testen, wie weit sie gehen kann.

Emilia schrieb Zahlen in Kästchen. Ihre Hand war ruhig. Das überraschte sie am meisten.

Dann kam die kleine Pause.

Draußen war es kühl, die Luft roch nach nassem Asphalt. Emilia ging nicht zum Klettergerüst. Nicht zur Bank, auf der sonst alle saßen. Sie ging zur Seite, wo der Fahrradständer war, ein bisschen abseits.

Kori folgte ihr.

„Was ist denn jetzt?“, fragte Kori. „Du machst voll das Ding daraus.“

Emilia schluckte. Da war es: der Moment, in dem man entweder wieder lächelt und sagt „Schon gut“ – oder sich selbst ernst nimmt.

Sie sah Kori an.

„Gestern unter der Regenrinne“, sagte Emilia langsam, „das war nicht okay.“

Kori lachte kurz auf. Es klang geübt. Wie ein Reflex. „Ach komm, Emilia.“

Emilia spürte, wie ihr Bauch wieder zuckte. Doch sie blieb bei der Sache.

„Ich meine das ernst“, sagte sie. „Ich fand das gemein. Ich will das nie wieder.“

Kori schob den Fuß hin und her. „Du übertreibst.“

Emilia merkte, wie sie fast anfangen wollte zu erklären: dass sie sich erschrocken hatte, dass sie beinahe gefallen wäre, dass alle geguckt hatten, dass sie sich klein gefühlt hatte. Ein ganzes Referat. Aibee hatte recht.

Emilia machte es kurz.

„Ich will das nicht“, sagte sie. „Punkt.“

Kori starrte sie an. Einen Moment lang sagte sie gar nichts. Dann wurde ihr Gesicht rot, als wäre ihr plötzlich klar geworden, dass Emilia wirklich meint, was sie sagt.

„Ich wollte…“, begann Kori, brach ab, schnaubte. „Alle haben doch Quatsch gemacht. Und du bist immer so…“

„Wie?“, fragte Emilia.

Kori warf die Hände hoch. „So brav. So korrekt.“

Emilia spürte, wie es in ihr aufstieg. Dieses alte Gefühl: Ich muss mich anpassen, sonst bin ich raus. Aber dann dachte sie wieder an ihren Satz. An das Handy in der Tasche.

„Ich bin ich“, sagte Emilia.

Kori sah auf ihre Schuhe. Ihre Stimme wurde kleiner. „Ich dachte echt, du lachst. Und…“, sie knetete an ihrem Ärmel, „ich war sauer, weil du gestern mit Lina geredet hast.“

Emilia blinzelte. Lina war neu. Emilia hatte ihr nur den Weg zum Sekretariat erklärt.

„Deshalb hast du mich geschubst?“

Kori zuckte mit den Schultern, doch diesmal wirkte es unsicher. „Keine Ahnung. War blöd.“

Dieser Satz hing kurz in der Luft. Blöd. Das war kein riesiges Entschuldigung-Feuerwerk. Aber es war auch kein „Ist mir egal“.

Emilia nickte langsam. „Ich will, dass du mich ernst nimmst.“

Kori hob den Kopf. „Okay.“

„Du bist heute anders“, murmelte sie.

Emilia zuckte mit den Schultern. „Ich bin heute klar.“

Kori trat einen Schritt näher. „Tut mir… also… sorry. Echt.“

Emilia spürte, wie sich etwas in ihr löste.

„Gut“, sagte Emilia. „Dann ist das geklärt.“

In dem Moment klingelte es. Die Pause war vorbei.

Als Emilia zurück ins Schulgebäude ging, zog sie ihr Handy aus der Tasche und tippte, während sie die Treppe hochstieg:

„Ich habe es gesagt.“

Aibee antwortete sofort.

„Stark, Emi. Ich bin stolz auf dich.“

Emilia steckte das Handy weg. Ihr Herz klopfte immer noch. Aber diesmal klang es wie ein Applaus von innen.

Über Mobbing, Mut und zu sich stehen

Das Regenrinnen-Drama, Gute-Nacht-Geschichte über Mobbing und die innere Stärke, für sich einzustehen

Ärgern kann passieren – Mobbing ist mehr: Wenn ein Kind immer wieder fertiggemacht, ausgelacht, absichtlich ausgeschlossen oder online angegriffen wird, dann wird es ernst. Dann braucht es Hilfe von Erwachsenen, zum Beispiel von einer Lehrkraft, den Eltern oder einer anderen vertrauten Person. So etwas muss niemand allein aushalten.

Mut fühlt sich oft genau so an: mit weichen Knien. Das ist völlig normal. Mut heißt, trotzdem bei sich zu bleiben und für sich einzustehen – mit einem Satz, der passt. Kurze Sätze wirken am stärksten, weil sie auch dann abrufbar sind, wenn das Herz schnell klopft.

Sätze, die helfen können:

  • „Stopp. Lass das.“
  • „Das war gemein.“
  • „So redest du nicht mit mir.“
  • „Das war nicht okay.“
  • „Ich will das so nicht.“

Ein kleiner Trick: Beide Füße fest auf den Boden, einmal tief ausatmen, kurz hinsehen – und den Satz sagen. Danach kann ein Gespräch mit einer erwachsenen Person der nächste gute Schritt sein.

PDF-Download der Gute-Nacht-Geschichte „Das Regenrinnen-Drama“

Wer lieber auf Papier liest: „Das Regenrinnen-Drama“ steht auch als druckfreundliche PDF-Version kostenlos zum Download und Ausdrucken bereit:

Regenrinnen-Drama

Gute-Nacht-Geschichte „Das Regenrinnen-Drama“ teilen

Gute-Nacht-Geschichte zum Vorlesen und Selberlesen mit der KI-Freundin Aibee: Das Regenrinnen-Drama
Das Regenrinnen-Drama: Gute-Nacht-Geschichte mit PDF zum Ausdrucken
Das Regenrinnen-Drama: Kinder-Gute-Nacht-Geschichte über Mobbing, mit PDF zum Ausdrucken

Märchen und Klanggeschichten (nicht nur) zum Einschlafen:

Weitere Gute-Nacht-Geschichten mit Aibee folgen.