Diese Ostergeschichte beginnt in einer Küche auf Malta, wo eine Schale mit Watte und Weizenkörnern auf ihren Einsatz wartet. Mara dreht sich nur kurz um – und Frida, die Katze, steht schon auf der Arbeitsfläche. Ein Pfotentipp, rollende Körner, und der Osterbrauch ġulbiena gerät ins Wanken. Schafft Mara es, Frida zu stoppen, bevor Oma Doreen nachschaut?
Malta: Der Osterbrauch mit Keimen
Frida war eine Katze. Eine echte, mit Schnurrhaaren, Samtpfoten und der festen Überzeugung: Jede Küche ist ihr Forschungslabor. Mara wusste das längst. Trotzdem vergaß sie es jedes Mal, sobald etwas Spannendes auf der Arbeitsfläche stand.
An diesem Morgen stand eine Keramikschale auf dem Küchentisch. In der Schale lag Watte, darauf Weizenkörner. Oma Doreen hatte den Namen dafür feierlich ausgesprochen: ġulbiena. Dazu erzählte sie, dass man diese Keimschalen auf Malta in der Karwoche überall sieht.
„Watte feucht halten“, hatte Oma erklärt. „Dann keimen die Körner.“
Mara nickte sehr ernst, denn Oma klang bei solchen Dingen richtig fachkundig. Ein paar Tropfen Wasser landeten auf der Watte, bis alles feucht war. Dann betrachtete sie die Körner, als könnten sie jeden Moment mit dem Keimen loslegen.
Auf dem Küchenstuhl saß Frida und gab die Unbeteiligte: Pfote putzen, strecken, gähnen. Das sah nach Langeweile aus.
Mara wollte die Schale abdecken. Neben dem Herd lag Folie; daraus sollte rasch ein Deckel werden, mit kleinen Löchern, damit in der Schale alles in Ruhe weiterkeimen kann. Der Bleistift lag im Flur.
„Ich bin gleich wieder da“, sagte Mara, mehr zu sich selbst, und huschte los.
Drei Herzschläge später war die Katze oben. Erst auf dem Stuhl, dann auf der Arbeitsfläche. Neben der Schale stand sie nun da, Kopf schräg, Nase dicht über der Watte.
Der Ausdruck sagte eindeutig: Prüfung beginnt.
Die Nase schwebte über der Watte. Dann hob sich eine Pfote.
Patsch.
Die Watte gab nach. Mehrere Körnchen sprangen heraus und rollten über die Arbeitsfläche.
Das genügte. Rollende Körnchen bedeuteten Jagd.
Frida stupste an, setzte nach, schob Körner quer über den Tisch – und kam dabei mit der Schulter an den Schalenrand.
Die Schale rutschte vom Küchentisch.
Mara kam mit dem Bleistift zurück und hörte es scheppern.
Im Türrahmen blieb sie stehen. Bleistift in der Hand. Augen groß.
Auf dem Boden lag Watte. Körner kullerten über die Fliesen. Die Schale lag auf der Seite, unversehrt. Und mitten im Durcheinander saß Frida und patschte zufrieden in die Watte, als gehöre genau das zum Tagesprogramm.
„Frida!“ rief Mara.
Die Katze zuckte zusammen, sprang unter den Küchentisch, und ein paar Körner rollten noch weiter. Unter dem Tisch kratzten Pfoten – offenbar gab es noch Rettungsarbeiten.
Mara kniete sich hin. Zuerst stellte sie die Schale wieder auf den Tisch, weit weg vom Rand. Dann begann das Sammeln: Watte auf einen Teller, Körner in eine Schüssel, Körner aus Ritzen. Körner sind winzig. Körner verschwinden gern.
Unter dem Tisch lugte Frida hervor und verfolgte jede Handbewegung. Sobald irgendwo wieder etwas rollte, zuckten die Ohren.
„Du bist ein Chaos-Tiger“, murmelte Mara.
Und tatsächlich: Kaum war die Schale wieder auf dem Tisch, sprang Frida wieder auf die Arbeitsfläche – Pfote schon halb in der Luft.
Mara schob Frida sanft vom Tisch.
Endlich kam auch der Bleistift zum Einsatz: Mara legte die Folie über die Schale, drückte sie glatt und stach viele kleine Löcher hinein. Zwei Wäscheklammern klemmten die Folie am Rand fest.
„Und jetzt ab in den Hängeschrank“, sagte Mara.
Ganz oben, neben einer großen Schüssel, stand die Schale geschützt im Dunkeln. Tür zu. Schale gesichert!
Frida sprang gegen die Schranktür.
„Feierabend“, sagte Mara.
Am nächsten Morgen schlich sie in die Küche. Frida lag auf dem Teppich, öffnete ein Auge und tat sofort wieder unschuldig. Mara öffnete den Hängeschrank, holte die Schale heraus und hob eine Folienecke nur einen Fingerbreit an.
Zwischen den Körnern zeigten sich winzige Spitzen. Erst wenige. Doch eindeutig.
Mara grinste. „Ha!“
Frida sprang auf die Arbeitsfläche und schnupperte an der Folie. Mara klappte die Ecke wieder fest, drückte die Klammern nach und stellte die Schale zurück.
Für die Katze gab es ein Papierknäuel. Das Papierknäuel flog. Frida schoss hinterher, rutschte über die Fliesen, fing es, warf es selbst wieder weg und jagte weiter, vollkommen beschäftigt.
Und oben im Schrank wuchsen die Keime weiter – ohne Pfoten, ohne Körnerjagd, ohne Küchenkatastrophe.
Osterbrauch auf Malta: ġulbiena
Auf Malta gibt es Schalen mit keimenden Samen auf Watte. Diese Keimschalen heißen ġulbiena. Die Samen stehen an einem dunklen Platz, zum Beispiel im Schrank, und werden mit etwas Wasser feucht gehalten – dadurch wachsen lange, sehr blasse Triebe.
In der Karwoche schmücken viele Kirchen einen besonderen Altar, den man auf Malta „Sepulkru“ nennt. Beim Sepulkru sieht man oft aufwendige Dekorationen – und in manchen Kirchen stehen dabei auch Schalen mit vetch/gulbiena.
Ostergeschichte (Malta) als PDF zum Download
Hier können Sie die Ostergeschichte für Kinder „Die Osterschale mit ġulbiena“ kostenlos als PDF downloaden und die Geschichte ausdrucken:
Und hier die vier Quizkarten zum Europa-Osterbrauch-Quiz:
Kurze Ostergeschichte (Malta) bei Pinterest teilen
Geschichten-Sammlungen, die für Sie vielleicht auch interessant sein könnten:
Weitere Ostergeschichten für Kinder mit Quiz