Der fremde Rucksack im Laubhaufen

Auf dem Heimweg ging Hanna durch den kleinen Park. Eigentlich war das ein Umweg, aber im Herbst nahm sie ihn gern. Unter den Kastanienbäumen schaute Hanna immer wieder zwischen den Blättern nach den braunen Früchten. Für ihre Fensterbank wollte sie ein paar besonders schöne mitnehmen, aber heute war die Ausbeute mager. Viele waren schon zertreten, andere hatten helle Stellen oder kleine Risse. Vier brauchbare steckten schließlich in ihrer Jackentasche.

Bei einer Bank war das Laub zu einem großen Haufen zusammengerecht worden. Hanna schob im Vorbeigehen mit dem Schuh hinein. Etwas hielt ihren Fuß fest. Sie schob die Blätter auseinander und sah einen schwarzen Riemen.

Der gehörte zu einem dunkelblauen Rucksack, der halb unter dem Laub steckte. Hanna zog ihn heraus, klopfte ein paar Blätter ab und stellte ihn auf die Bank. Auf dem Spielplatz war niemand.

Sie beschloss, in der Nähe zu bleiben. Vielleicht kam ja jemand zurück und suchte ihn. Während sie drei weitere Kastanien fand, sah sie immer wieder zur Bank hinüber. Niemand holte den Rucksack ab.

Während Hanna noch überlegte, was sie mit dem Fund anstellen sollte, vibrierte etwas im Rucksack. Sie öffnete die Seitentasche und zog ein Handy heraus. Auf dem Display stand „Mama“.

Hanna hielt es einen Augenblick in der Hand. An ein fremdes Handy ging man schließlich nicht einfach so. Aber wahrscheinlich gehörte es dem Kind, das den Rucksack vermisste.

Also nahm sie ab.

„Hallo?“

„Hallo! Hast du Finns Rucksack gefunden?“

„Ja“, antwortete Hanna. „Der lag hier im Park unter einem Laubhaufen.“

Es wurde kurz still. Dann redete die Frau so schnell, dass Hanna kaum dazwischenkam. Ihr Sohn Finn suche den Rucksack seit fast einer Stunde. Sie seien gerade noch irgendwo im Park unterwegs. Hanna erklärte, bei welcher Bank sie stand.

„Bleibst du bitte da? Wir kommen sofort.“

Hanna setzte sich neben den Rucksack. Sie legte das Handy zurück und strich ein nasses Blatt vom Reißverschluss.

Es dauerte keine fünf Minuten, bis ein Junge über den Weg angerannt kam. Seine Mutter eilte hinterher.

Vor Hanna blieb er stehen und sah nur auf den Rucksack.

„Der ist meiner.“

„Du bist Finn?“

Er nickte, zog den Rucksack zu sich und riss das kleine Vorderfach auf. Hanna dachte, er suche seinen Schlüssel. Stattdessen zog er einen ziemlich zerdrückten Stofffuchs heraus. Ein Ohr hing etwas schief, und am Bauch war eine Naht zu sehen.

Finn drückte ihn kurz an sich.

„Ich dachte, der ist weg.“

Seine Mutter war inzwischen bei ihnen angekommen. „Den Fuchs oder den Rucksack?“

Finn sah kurz zu seiner Mutter.

„Beides.“

„Wir haben erst an der Schule gesucht“, sagte sie. „Finn dachte, er hätte den Rucksack dort vergessen.“

„Ich wusste es wirklich nicht mehr.“

Er steckte den Fuchs zurück und sah Hanna an.

„Danke, dass du rangegangen bist.“

Finn zog sich den Rucksack über die Schultern. Dann zeigte er auf Hannas Hand.

„Die Kastanie da ist kaputt.“

Hanna sah hin. Tatsächlich hatte eine ihrer sieben Kastanien einen Riss.

„Oh ja.“ Hanna klang ein wenig enttäuscht.

Finn griff in seine Jackentasche und hielt ihr eine hin. Glatt, dunkelbraun, ohne einen einzigen Fleck.

„Die kannst du nehmen.“

Dann lief er seiner Mutter hinterher, den dunkelblauen Rucksack fest auf dem Rücken.

Gefunden – und was nun?

Kindergeschichte "Der fremde Rucksack": Der Rucksack wird zurückgegeben

Ein Rucksack, ein Schlüsselbund oder ein Handy darf nicht einfach behalten werden. Zuerst kann geschaut werden, ob jemand in der Nähe danach sucht. Bei einem Rucksack hilft manchmal ein Namensschild oder ein Schulheft dabei, herauszufinden, wem er gehört. Lässt sich das nicht feststellen, wird die Fundsache bei einer zuständigen Stelle abgegeben.

Darf man einen gefundenen Rucksack öffnen?

In Hannas Geschichte klingelt ein Handy im gefundenen Rucksack. So lässt sich schnell herausfinden, wem er gehört. Schwieriger ist es, wenn es keinen solchen Hinweis gibt.

Ein fremder Rucksack sollte nicht aus Neugier durchsucht werden. Es kann aber sinnvoll sein, vorsichtig nach einem Namen oder einer Adresse zu schauen, damit die Fundsache zurückgegeben werden kann – zum Beispiel auf einem Namensschild oder einem Schulheft. Mehr als nötig sollte dabei nicht angesehen werden.

Lässt sich nicht herausfinden, wem etwas gehört, wird der Fund bei der zuständigen Stelle gemeldet oder abgegeben. In Bus und Bahn oder in öffentlichen Gebäuden gibt es dafür eigene Anlaufstellen. Nach einem Fund auf der Straße oder im Park hilft meist das Fundbüro weiter.

Hanna und der fremde Rucksack als PDF

Manche Geschichten liest man gern noch ein zweites Mal – oder nimmt sie mit an einen Ort, an dem gerade kein Bildschirm zur Hand ist. „Der fremde Rucksack im Laubhaufen“ gibt es deshalb auch als PDF zum Ausdrucken und Vorlesen.

Der fremde Rucksack

Hannas Herbstgeschichte für Ihre Pinterest-Pinnwand

Wenn Ihnen „Der fremde Rucksack im Laubhaufen“ gefallen hat, können Sie die Geschichte auch auf Pinterest mitnehmen. Drei passende Bilder greifen Szenen aus Hannas Herbstabenteuer auf und lassen sich wunderbar auf Ihrer Pinnwand speichern.

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