In dieser Ostergeschichte aus Moldau treffen Daria und Viorica auf eine alte Ostertradition: Eine Schüssel mit Eierschalen, ein schneller Fluss und ein Ostergruß, der weit getragen werden soll. Kommt die Nachricht wirklich an? Finden Sie es gemeinsam mit den Mädchen heraus!
Moldau: Osterbrauch der Osterbotschaft mit Eierschalen
Daria klebte am Autofenster, bis endlich das Dorf auftauchte: ein Kirchturm, ein Storchennest und dahinter Felder. Als sie ausstieg, roch es nach feuchter Erde und nach Brot aus einem Holzofen. Am Gartentor wartete Oma Ileana und rief fröhlich: „Hristos a înviat!“
Oma Ileana trug ein Kopftuch, lächelte breit und drückte Daria so fest, dass Daria kichern musste.
„Hristos a înviat!“, sagte Oma.
Daria blinzelte. Mama flüsterte ihr schnell zu: „Das ist der Ostergruß.“
Daria stellte sich gerade hin und sagte, so gut sie konnte: „Hristos a înviat!“
Oma lachte. „Sehr gut! Und jetzt kommt die Antwort: Adevărat a înviat!“
Daria wiederholte es, diesmal klarer. Oma nickte zufrieden.
In der Küche war es warm. Auf dem Tisch standen Eier, Zwiebelschalen, ein Topf, ein kleines Glas mit Essig und ein Teller mit einem runden Kuchen, der in der Mitte ein Kreuz aus Teigstreifen hatte.
„Das ist Pască“, erklärte Oma. „Ein Osterkuchen.“
Daria strich mit dem Finger über den Rand. „Und die Eier werden rot?“
„Rot, braun, manchmal auch mit Blättern als Muster“, sagte Oma. „Heute machen wir ein paar. Deine Cousine kommt gleich.“
Genau da polterte es im Flur, und ein Mädchen mit dunklem Zopf kam hereingestürmt. „Ich bin Viorica!“, rief sie.
Daria kannte Viorica nur von Fotos, aber nach fünf Minuten fühlte es sich an, als hätten sie sich immer gekannt. Zusammen hielten sie Eier in Zwiebelsud, wickelten Petersilienblätter an die Schale und banden alles mit einem Stück Stoff fest.
Als das erste Ei fertig war, war es tiefrot. Daria staunte. „Das ist ja wie Zauberfarbe.“
Oma schmunzelte. „Zu Ostern machen wir es extra schön.“
Daria war gerade dabei, ein Ei vorsichtig zu pellen, als ein Stück Schale abplatzte. Sie wollte es in den Müll werfen, aber Oma hielt ihre Hand auf. „Warte. Die Schalen brauchen wir noch.“
„Wofür?“, fragte Daria erstaunt.
„Für die Blajini“, erklärte Viorica sofort. Oma nickte. „Das ist eine alte Erzählung. Manche sagen: Es gibt weit weg gute Menschen, die Blajini. Sie leben so abgeschieden, dass sie nicht wissen, wann Ostern ist. Damit sie es erfahren, schicken wir ihnen die Nachricht über das Wasser. Eierschalen wippen ein wenig am Ufer und treiben dann flussabwärts – und so geht der Ostergruß auf Wanderschaft.“
Daria schaute in die Schüssel mit den roten Schalen. „Kommen die wirklich an?“
Oma zuckte die Schultern. „Das kann dir niemand versprechen. Aber wir zeigen, dass wir an andere denken. Und wir machen es achtsam: nur Schalen, keine Folie, kein Plastik, nicht zu viele.“
Nach dem Mittagessen liefen sie zum Fluss. Unterwegs grüßten Nachbarn, und Daria antwortete jedes Mal ein bisschen sicherer. Am Ufer waren schon zwei Familien da. Niemand war laut, alles wirkte feierlich und konzentriert.
Viorica trug eine Stofftasche und eine Müllzange. „Wenn wir schon hier sind, sammeln wir auch Müll ein“, sagte sie. Daria hob ein Bonbonpapier auf, Viorica hielt ihr die Abfalltüte hin. „Siehst du“, meinte Viorica, „Schalen sind okay. Das hier nicht.“
Dann kniete Oma an einer sicheren Stelle am Ufer. „Such dir eine Schale aus.“ Daria nahm eine halbe, innen weiß, außen rot. Sie hielt sie über das Wasser und sagte: „Hristos a înviat! Frohe Ostern, Blajini.“
Dann setzte sie die Schale vorsichtig auf die Wasseroberfläche. Sie drehte sich, wippte kurz und trieb davon, immer weiter, bis sie nur noch ein Punkt war. Daria blieb stehen, bis der Punkt verschwunden war.
Auf dem Heimweg fragte Daria: „Glaubst du an die Blajini?“
Oma lächelte. Ich glaube, Bräuche geben dem Jahr kleine Anker, damit man nicht alles einfach vorbeiziehen lässt. Und ich mag den Gedanken, dass ein kleiner Gruß sich auf den Weg machen kann.“
Osterbrauch in Moldau
In Moldau gibt es einen Osterbrauch, der viele Kinder überrascht: Nach dem Eierfärben werden die sauberen Eierschalen nicht einfach weggeworfen. Man sammelt sie in einer Schüssel und bringt sie später zu einem Bach oder Fluss. Dort setzt man die Schalen vorsichtig ins Wasser, damit sie ein Stück weit treiben können.
Dazu erzählen manche Familien die alte Blajini-Legende: Die Blajini seien gute Menschen, die sehr weit weg leben und nicht wissen, wann Ostern ist. Mit den Eierschalen soll der Ostergruß gewissermaßen „mitreisen“ und die Nachricht weitertragen.
Ob man die Geschichte wörtlich nimmt oder nicht – für viele ist es ein schöner Moment, kurz an andere zu denken und den Gruß auf den Weg zu schicken.
Ostergeschichte (Moldau) als PDF zum Download
Hier können Sie die Ostergeschichte für Kinder „Eierschalenpost für die Blajini“ kostenlos als PDF downloaden und die Geschichte ausdrucken:
Und hier die vier Quizkarten zum Europa-Osterbrauch-Quiz:
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