Am Rande eines ruhigen Teiches lebte ein Pfau, der sich jeden Tag im Wasser betrachtete und staunte, wie prächtig seine Federn aussahen. Sein Gefieder glänzte in allen Farben, und wenn die Sonne auf seine Federn fiel, funkelten sie, als wären sie aus Gold und Regenbogen gemacht.
Der Pfau war sehr stolz auf sein Aussehen und liebte es, sein Rad zu schlagen, sobald andere Tiere in der Nähe waren. Er dachte, dass niemand so wundervoll sein konnte wie er und dass alle seine Schönheit bewundern müssten.
Plötzlich hörte er ein leises Platschen, und ein hoher, schlanker Kranich trat ans Wasser. Der Pfau richtete sich auf, spreizte sein Rad und rief laut: „Na, hallo! Siehst du meine leuchtenden Federn? Bunt wie ein Regenbogen! Du hingegen … meinst du nicht, dass du dich mal ein bisschen herausputzen solltest?“
Der Kranich lächelte gelassen und sagte: „Deine Federn sind wunderschön, das gebe ich zu. Aber sag mir, was du damit tun kannst, das ich nicht kann.“
Er stemmte sich gegen den Boden, breitete langsam seine großen Flügel aus und hob in die Luft ab. In gleichmäßigen Schlägen stieg er höher und höher, bis er die Welt von oben wie ein großes, buntes Mosaik aus Feldern und Wäldern betrachten konnte.
Der Pfau sah ihm nach und sprach leise zu sich: „Wie seltsam … ich kann so stolz auf meine Federn sein, aber sie helfen mir nicht, dort oben zu fliegen.“
Er versuchte, seine Flügel auszubreiten, doch sie trugen ihn nicht vom Boden weg. Der Kranich aber glitt frei über dem Teich, seine Flügel in den Wind gehalten, und seine Augen glänzten vor Freude über die Weite, die er sah.
Als der Kranich wieder am Ufer landete, ging der Pfau näher. „Du bist nicht bunt wie ich“, sagte der Pfau nachdenklich, „aber du hast etwas, das ich mir nie gewünscht habe – die Freiheit, hoch zu fliegen.“
Der Kranich nickte und antwortete ruhig: „Wir sind verschieden, jeder auf seine Weise.“
So dachte der Pfau noch lange über den Flug des Kranichs nach und fragte sich, ob es noch mehr zu entdecken gab, als man auf den ersten Blick sieht.
An diesem Abend schauten beide gemeinsam den Sonnenuntergang an: der Pfau mit seinem prachtvollen Gefieder und der Kranich mit seinen langen, starken Flügeln.
Sie verstanden, dass Schönheit und besondere Fähigkeiten auf unterschiedliche Weise wertvoll sein konnten. Und so kehrten sie zufrieden in ihre Welt am Teich zurück, jeder mit seinen eigenen Stärken und Träumen.
Hinweis: Diese Geschichte basiert auf der klassischen Fabel Der Pfau und der Kranich aus der Sammlung des antiken griechischen Fabeldichters Äsop. Die Erzählung wurde für junge Leser neu und kindgerecht geschrieben.
Nicht nur das Äußere zählt
In der Fabel sehen wir zwei Vögel, die ganz unterschiedlich aussehen und unterschiedliche Dinge können. Manchmal fällt zuerst nur das auf, was besonders bunt oder auffällig ist, doch es gibt auch Fähigkeiten, die man nicht auf den ersten Blick erkennt.
Andere Eigenschaften, die uns vielleicht auf den ersten Blick nicht so auffallen, können auf ihre eigene Weise wichtig und nützlich sein. Gut zu fliegen, weit zu sehen oder andere Dinge zu tun, die nicht gleich jeder kann, gehört genauso zu dem, was jemand besonders macht.
PDF-Download der Fabel „Der Pfau und der Kranich“
Die Fabel „Der Pfau und der Kranich“ steht als kostenlose PDF-Datei zum Speichern und Ausdrucken bereit. So haben Sie die Geschichte jederzeit zur Hand – perfekt für Zuhause, die Kita oder den Unterricht, wenn Sie eine Papierfassung brauchen:
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