Ein Fuchs war bekannt dafür, dass er gern klug wirkte. Er lächelte freundlich, machte große Worte – und dachte dabei zuerst an sich. Eines Tages begegnete er dem Storch am Waldrand.
„Guten Tag, Herr Storch!“, rief der Fuchs. „Sie sehen aus, als hätten Sie Hunger. Kommen Sie doch heute zu mir. Ich koche etwas Feines!“
Der Storch freute sich. Eine Einladung war etwas Schönes. „Sehr gern“, sagte er höflich und schlug mit den Flügeln. „Ich komme.“
Am Abend duftete es vor der Fuchshöhle nach Suppe. Der Fuchs stellte zwei flache Teller auf den Boden und goss die Suppe hinein. „Bitte, bedienen Sie sich!“, sagte er und begann sofort zu schlürfen. Seine Zunge glitt über den Teller, und in kurzer Zeit war sein Teller fast leer.
Der Storch beugte sich vor. Er setzte seinen langen Schnabel an den Teller – doch auf dem flachen Teller konnte er die Suppe mit seinem langen Schnabel kaum aufnehmen. Er versuchte es von der Seite, dann von vorn, dann noch einmal ganz vorsichtig von oben. Ein paar Tropfen klebten an seinem Schnabel, mehr nicht.
Der Fuchs schaute auf und grinste. „Ach, wie schade“, sagte er, „so eine leckere Suppe, nicht wahr?“ Dabei sah er dem Storch zu, als wäre es ein Spiel.
Der Storch sagte nichts. Er blieb höflich. Er nickte nur, wischte sich den Schnabel ab und meinte ruhig: „Vielen Dank für die Einladung.“
Am nächsten Tag trafen sie sich wieder. Der Storch sprach freundlich: „Herr Fuchs, nun lade ich Sie ein. Heute gibt es bei mir etwas Besonderes.“
Der Fuchs dachte sofort an ein Festmahl. „Sehr gern!“, rief er. „Ich komme!“
Als der Fuchs beim Storch ankam, stand dort ein schlanker, hoher Krug mit schmalem Hals. Daraus stieg ein köstlicher Geruch auf. Der Storch hatte eine feine Speise hineingefüllt.
„Bitte, bedienen Sie sich“, sagte der Storch.
Der Fuchs sprang näher. Er steckte seine Schnauze an den Krug – doch der Hals war viel zu eng. Er konnte nicht hinein. Er leckte am Rand, schob seine Nase hinein, drückte, drehte, zerrte – nichts. Kein Bissen kam heraus.
Der Storch dagegen setzte seinen langen Schnabel in den Krug und aß ganz in Ruhe. Einmal schaute er zum Fuchs und sagte freundlich: „Schmeckt es Ihnen nicht?“
Da wurde dem Fuchs heiß. Er merkte, was passiert war. Er senkte den Kopf, schaute auf seine Pfoten und murmelte: „Ich… ich glaube, ich habe verstanden.“
Der Storch nickte. „Man sollte anderen so begegnen, wie man selbst behandelt werden möchte“, sagte er. „Sonst bekommt man es irgendwann zurück.“
Der Fuchs schlich davon. Und seit diesem Tag überlegte er lieber zweimal, bevor er jemanden zum Narren hielt.
Hinweis: Diese Fabel ist eine kindgerechte Neuerzählung der bekannten Äsop-Fabel „Der Fuchs und der Storch“. Sie zeigt, warum Rücksicht und Fairness wichtig sind – und was „Wie du mir, so ich dir“ bedeuten kann.
Fairness oder Rache?

Der Spruch „Wie du mir, so ich dir“ bedeutet: Menschen reagieren oft so, wie sie selbst behandelt werden. Wer freundlich ist, bekommt häufig Freundlichkeit zurück. Wer andere absichtlich ärgert oder unfair behandelt, muss damit rechnen, dass die anderen irgendwann genauso reagieren.
In der Fabel merkt der Fuchs das am eigenen Bauch: Erst macht er dem Storch das Essen absichtlich schwer – danach erlebt er selbst, wie das ist. Trotzdem ist der Spruch kein Tipp zum „Zurückärgern“.
Die Fabel soll vor allem zeigen, wie wichtig Fairness ist. Manchmal ist es klüger, ruhig zu bleiben und zu sagen, was einen stört. Und manchmal hilft es, sich kurz zu fragen: „Wie würde ich mich fühlen, wenn jemand das mit mir macht?“ Wer das schafft, verhindert Streit – und sorgt dafür, dass es für alle gerecht zugeht.
PDF-Download der Fabel „Der Fuchs und der Storch“
Wenn Sie die Fabel gern übersichtlich in der Hand halten möchten, können Sie „Der Fuchs und der Storch“ hier kostenlos als PDF herunterladen – perfekt zum Ausdrucken:
Fabel „Der Fuchs und der Storch“ kurz mit Moral
Ein Fuchs lädt den Storch scheinfreundlich zum Essen ein, serviert aber Suppe auf flachen Tellern – der Storch kann mit seinem langen Schnabel kaum einen Tropfen aufnehmen, während der Fuchs genüsslich schmatzt.
Am nächsten Tag lädt der Storch ihn im Gegenzug ein und stellt einen hohen Krug mit schmalem Hals hin: Der Fuchs kommt nicht an die Speise, der Storch dagegen isst vergnügt.
Da merkt der Fuchs beschämt, was er angerichtet hat.
Die Moral: Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden willst – sonst kommt es irgendwann zu dir zurück.
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