Der Hase und der Igel

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Fabel Der Hase und der Igel mit Bildern für Kinder erzählt von Betina Graf

An einem sonnigen Morgen spazierte ein Igel über ein Feld. Er wackelte ein bisschen, denn seine Beine waren kurz, und er ging nicht so schnell wie andere Tiere. Da hüpfte ein Hase heran. Der Hase war flink, stolz und immer ein bisschen zu selbstsicher.

Als er den Igel sah, lachte er: „Du bist ja langsam! Und deine Beine sehen komisch aus!“

Der Igel blieb ruhig. „Vielleicht bin ich nicht so schnell wie du“, sagte er, „aber ausgelacht werden muss trotzdem niemand.“

Der Hase grinste nur. „Wetten, ich bin viel schneller als du?“ Der Igel nickte. „Gut. Dann machen wir ein Rennen. Von hier bis ans Ende des Feldes – und zurück.“

Der Hase war sofort begeistert. „Ha! Das wird kinderleicht!“ Der Igel dachte kurz nach. Dann sagte er: „Einverstanden. Aber wir starten gleich.“

Der Hase stellte sich an den Anfang der Furche, also an die lange Reihe im Feld. Der Igel stellte sich ebenfalls hin – und flüsterte seiner Frau etwas zu. Frau Igel, die genauso aussah wie er, nickte. Sie ging unbemerkt ans andere Ende des Feldes und stellte sich dort hin.

„Fertig? Los!“ rief der Hase.

Der Hase schoss davon, als hätte ihn der Wind angeschubst. Seine Ohren wackelten, seine Pfoten flogen über die Erde. Der Igel dagegen trabte nur ein paar Schritte – nicht hastig, nicht wild. Er blieb gelassen.

Als der Hase am Ende des Feldes ankam, rief er stolz: „So! Wo bleibst du denn?“ Da rief eine Stimme: „Ich bin schon hier!“

Der Hase riss die Augen auf. Am Ende des Feldes stand ein Igel. „Wie kann das sein?“, dachte er. „Der kann doch nie so schnell sein!“

„Nochmal!“, rief der Hase. „Jetzt renn ich erst recht!“ Und er sauste zurück zum Anfang. Doch als er dort ankam, rief wieder jemand: „Ich bin schon hier!“ – und am Anfang stand wieder ein Igel.

Der Hase wurde rot vor Ärger. „Das gibt’s doch nicht!“ Er rannte wieder los. Und wieder hörte er am Ende: „Ich bin schon hier!“ Der Hase rannte hin und her, schneller und schneller. Seine Brust hob und senkte sich, er keuchte: „Puh… puh…“

Beim letzten Lauf wurden seine Sprünge kürzer. Seine Beine zitterten. Schließlich blieb er stehen und ließ die Ohren hängen. „Ich… ich kann nicht mehr“, sagte er ganz kleinlaut.

Der Igel trat näher. „Du bist schnell“, meinte er freundlich. „Aber Schnelligkeit ist nicht alles. Wer andere auslacht, kann über seinen eigenen Stolz stolpern.“

Der Hase schaute zu Boden. „Es tut mir leid“, murmelte er. „Ich war gemein.“

„Dann hast du heute etwas gelernt“, sagte der Igel. Und beide gingen nach Hause – der eine langsam, der andere müde, aber ein bisschen klüger.

Hinweis: Diese Geschichte ist eine kindgerechte Nacherzählung des norddeutschen Volksmärchens „Der Hase und der Igel“, das aus dem Volksmund überliefert ist. Es wurde 1840 von Wilhelm Schröder erstmals schriftlich festgehalten und später durch die Brüder Grimm bekannt gemacht.

Schlau statt schnell

Fabel: Der Hase und der Igel, Bild mit zornigem Hasen

In der Geschichte ist der Hase blitzschnell. Er kann rennen und springen, viel schneller als der Igel. Aber der Igel zeigt: Schnell sein ist nicht das Einzige, was zählt. Manchmal hilft es mehr, erst kurz nachzudenken. Der Igel bleibt ruhig, lässt sich nicht ärgern und überlegt sich einen Plan.

Schlau sein bedeutet: eine gute Idee haben, Hilfe annehmen oder einen neuen Weg finden. Der Igel nutzt seine Idee, damit der Hase merkt: Wer nur mit Geschwindigkeit prahlt, kann sich überschätzen.

Die Geschichte zeigt uns: Mit Köpfchen, Geduld und einem Plan kommt man auch weiter – insbesondere, wenn die Beine nicht die schnellsten sind.

PDF-Download der Fabel „Der Hase und der Igel“

Sie können die Fabel „Der Hase und der Igel“ bequem online lesen und bei Bedarf als kostenloses PDF herunterladen und ausdrucken. Ideal für Zuhause, Kindergarten oder Schule – so bleibt die kluge Botschaft am Ende besonders gut im Kopf:

Der Hase und der Igel

Fabel „Der Hase und der Igel“ als Kurzfassung mit Moral

Ein überheblicher Hase verspottet einen Igel wegen seiner kurzen Beine. Der Igel fordert ihn daraufhin zu einem Wettlauf heraus. Heimlich stellt er seine Frau ans andere Ende des Feldes. Jedes Mal, wenn der Hase dort ankommt, ruft sie: „Ich bin schon hier!“ Der Hase läuft immer wieder los, überzeugt davon, schneller zu sein – bis er schließlich vor Erschöpfung zusammenbricht.

Die Moral: Hochmut kommt vor dem Fall – und Klugheit kann mehr bewirken als bloße Schnelligkeit.

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