Der Otter und der Reiher

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Moderne Fabel mit Bildern für Kinder erzählt von Betina Graf

An einer breiten Flussbiegung, wo Erlen ihre Zweige tief über das Wasser hielten, lebte ein Otter. Er glitt durch die Strömung, tauchte nach blanken Kieseln und freute sich an jedem Tag im Fluss. Er kannte die Ufer, die Wurzeln der Weiden und die stillen Buchten zwischen Schilf und Gras.

Ein Stück flussabwärts beobachtete der Otter einen Reiher im Röhricht. Er hob kaum eine Feder, blickte lange auf das Wasser und wartete geduldig.

Der Otter wunderte sich darüber und rief eines Morgens: „Was gewinnt man mit solchem Warten? Ich schwimme durch jede Biegung, kenne jeden Stein und spüre den Fluss unter mir. Wer mitten im Wasser lebt, lernt seinen Lauf doch besser kennen als einer, der nur am Rand verharrt.“

Der Reiher wandte den Kopf und sprach: „Du kennst seine Kraft und seine Freude. Ich aber achte auf seine Wandlung. Das Wasser trägt jeden Tag ein anderes Gesicht.“

Der Otter lachte, sprang in die Strömung und dachte bei sich, ein Fluss sei rasch verstanden, sobald man flink genug durch ihn kommt.

Fabel Der Otter und der Reiher im Unwetter

Ein paar Tage darauf zogen schwere Regenwolken über die Berge. Gegen Abend schwoll der Fluss an. Das Wasser wurde braun, Äste trieben vorbei, Schaum drehte sich in den Wirbeln, und an vielen Stellen fraß sich die Strömung tief ins Ufer.

Der Otter wollte heim in seine geschützte Bucht unter den Wurzeln einer alten Weide. Doch das Ufer sah fremd aus. Wo sonst ein stiller Rand war, drängte nun das Wasser. Wo ein schmaler Zugang lag, trieb jetzt ein Haufen Zweige. Der Otter suchte hier und dort, doch jeder Weg führte ihn wieder in die starke Strömung.

Da sah er den Reiher. Hoch über dem Wasser stand er auf einer Wurzel und blickte scharf zwischen Schilf und Binsen.

„Dort drüben“, rief der Reiher, „hinter den Binsen läuft ein ruhiger Arm. Folge ihm! Der richtige Weg zeigt sich dem, der erst schaut und dann handelt.“

Fabel: Der Otter und der Reiher, Bau gefunden

Der Otter schwamm hinüber, duckte sich unter einen Ast und fand den ruhigeren Lauf. Kurz darauf lag die vertraute Bucht vor ihm. Unter den Wurzeln war das Wasser ruhig, und der Regen konnte ihm dort wenig anhaben.

Später zogen die Wolken weiter, und der Abend wurde hell über dem Fluss. Da saß der Otter am Ufer und sprach: „Ich hielt mich für klug, weil ich flink bin und jeden Tag durchs Wasser ziehe. Ich meinte, ein rascher Sprung bringe mich immer ans Ziel. Nun weiß ich, dass ein wacher Blick den Weg im Notfall besser finden kann.“

Von jenem Tag an jagte der Otter weiter durch den Fluss. Doch ehe er losschwamm, blieb er nun manchmal einen Augenblick am Ufer sitzen und achtete auf das Wasser.

Otter und Reiher

Moderne Fabel: Der Otter und der Reiher

Otter sind Säugetiere und richtige Wasserfreunde. Sie leben an Flüssen, Bächen und Seen mit gut bewachsenen Ufern. Mit ihrem langen Körper, den Schwimmhäuten an den Füßen und ihrem dichten Fell kommen sie im Wasser prima zurecht. Auf ihrem Speiseplan stehen vor allem Fische, dazu Krebse und Amphibien.

Ein Reiher, zum Beispiel der Graureiher, ist ein großer Vogel mit langen Beinen, langem Hals und kräftigem Schnabel. Er sucht seine Nahrung am Wasserrand und im flachen Wasser. Dabei steht er häufig lange still da, schaut sehr genau hin und schnappt blitzschnell zu, sobald sich Beute zeigt. Zu seiner Nahrung gehören vor allem Fische, dazu Frösche und Wasserinsekten.

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Otter und Reiher

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