Der Löwe und die Maus

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Fabel Der Löwe und die Maus mit Bildern für Kinder erzählt von Betina Graf

Unter einer großen Eiche lag ein Löwe im Schatten und döste. Sein Bauch war satt, seine Augen halb zu. „Endlich Ruhe“, brummte er und streckte die Pfoten aus.

Da raschelte es im Gras. Eine Maus huschte zwischen Wurzeln hindurch. „Heute finde ich bestimmt etwas Leckeres“, piepste sie und schnupperte nach Körnern. Sie rannte los – zu schnell. Plötzlich stolperte sie über etwas Warmes, rutschte über Fell und landete direkt auf der Nase des Löwen.

Der Löwe fuhr hoch. „Wer stört meinen Schlaf?“ Er schlug die Pfote zu, und die Maus steckte darunter fest. „So ein winziges Ding“, knurrte er. „Ich könnte dich mit einem Atemzug wegpusten.“

„Bitte, verschone mich!“, quiekte die Maus. „Ich wollte nicht frech sein. Ich bin nur ausgerutscht.“

„Ausgerutscht oder nicht – du hast mich geweckt“, sagte der Löwe.

Die Maus schluckte. „Wenn du mich heute laufen lässt, helfe ich dir eines Tages. Ich schwöre es!“

Der Löwe lachte. „Du willst mir helfen? Mir?“

„Ja“, piepste die Maus tapfer. „Ich bin klein, aber ich komme überall hin. Und ich habe scharfe Zähne.“

Der Löwe hob die Pfote ein Stück. Er betrachtete die Maus. „Dein Mut ist größer als du“, brummte er schließlich. „Gut. Lauf. Und komm mir nicht noch einmal auf die Nase.“

„Danke!“, rief die Maus und verschwand im Gras.

Einige Tage später streifte der Löwe durch den Wald. Da roch er etwas Fremdes: Menschen. „Hm…“, machte er und ging weiter. Im nächsten Moment schoss ein Netz hoch. Seile zogen sich zusammen, und der Löwe war gefangen.

Er riss und zerrte. „Lasst mich los!“ brüllte er. Doch das Netz hielt fest. „Wenn die Jäger kommen, ist es aus“, dachte er. Er brüllte erneut, bis es zwischen den Bäumen widerhallte.

Die Maus hörte das Brüllen und blieb stehen. „Das ist der Löwe!“ Sie rannte los, so schnell sie konnte. Als sie ihn im Netz sah, rief sie: „Ich bin da!“

„Du?“, keuchte der Löwe. „Geh weg! Das ist gefährlich!“

„Du hast mich verschont“, sagte die Maus. „Jetzt bin ich dran. Halt still, sonst kann ich nicht nagen.“

Die Maus biss in die erste Schnur. Knack. Dann in die nächste. Knack. „Schneller“, drängte der Löwe. „Ich höre Schritte!“ „Noch zwei Seile“, piepste die Maus. „Dann kannst du dich drehen.“

Knack. Knack. Ein Spalt öffnete sich. „Jetzt!“, rief die Maus. Der Löwe zog die Pfote frei, dann die Schulter – und endlich sprang er aus dem Netz. Er schüttelte die Fäden ab und sah die Maus an.

„Ich habe dich ausgelacht“, sagte er. „Und doch hast du mich gerettet.“ Die Maus nickte. „Manchmal sind die Kleinsten die größte Hilfe.“ Der Löwe senkte den Kopf. „Danke. Ich vergesse das nicht.“

Hinweis: Die Fabel „Der Löwe und die Maus“ wird dem antiken Fabelerzähler Äsop zugeschrieben. Diese Fassung ist eine kindgerechte Nacherzählung in eigenen Worten.

Eine gute Tat zählt

Fabel nach Aesop: Der Löwe und die Maus

Freundlichkeit kann weiterwirken, auch wenn sie erst einmal klein aussieht. Der Löwe lässt die Maus laufen, obwohl er es nicht müsste. Später wird genau diese Entscheidung wichtig, weil Hilfe gebraucht wird.

Die Maus ist klein, doch sie kann etwas, das der Löwe nicht kann: Seile durchbeißen und ein Netz öffnen. So zeigt die Fabel: Niemand ist zu unbedeutend, um zu helfen. Und wer großzügig handelt, erlebt oft, dass Hilfe zurückkommt.

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Löwe und Maus

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