Der Geizige und sein Goldschatz

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Fabel Der Hund und das Spiegelbild mit Bildern für Kinder erzählt von Betina Graf

Es war einmal ein Mann, den nannten die Leute den Geizigen. Er klammerte sich an sein Geld und vergaß dabei, das Leben zu genießen.

Lieber zählte er Münzen, wog den Geldbeutel in der Hand und nickte zufrieden. Er passte so auf, dass selbst ein verlorener Knopf ihm wichtig war. Jeder kleinste Einkauf erschien ihm als großes Opfer.

Eines Tages fasste er einen Plan, der ihn Tag und Nacht beschäftigte: Er verwandelte alles, was er hatte, in Geld: Töpfe, Tücher, Werkzeug sowie den Mantel für kalte Tage. Mit dem vollen Beutel ging er zum Händler, kaufte einen schweren Klumpen Gold und trug ihn heim, dicht an den Körper gedrückt.

Hinter seinem Haus stand eine Hecke. Dort grub er bei schwindendem Licht ein Loch. Er legte das Gold hinein, deckte es mit Erde zu, trat den Boden fest und streute Laub darüber. Neben die Stelle setzte er einen Stein. So fand er: Jetzt kann nichts schiefgehen.

Doch kaum war er fort, zog es ihn schon wieder an die Stelle hinter seiner Hecke zurück. Am Morgen schob er das Laub beiseite, strich die Erde glatt und atmete auf. Am Abend kam er erneut. Er ging so häufig dorthin, dass sich nach und nach ein Trampelpfad zum Versteck formte.

Nicht weit davon arbeitete ein Mann auf dem Feld. Er reparierte einen Feldweg, füllte Löcher mit Kies. Dabei beobachtete er das ständige Kommen, merkte sich den Stein und bekam einen Verdacht. „So viel Aufpassen hat einen Grund“, dachte er bei sich.

Eines Tages verließ der Geizige sein Haus, um das Allernötigste zu kaufen. Der Arbeiter wartete, bis alles ruhig geworden war, legte sein Werkzeug ab und schlich zur Hecke. Er grub. Nicht lange, dann stieß er auf den Goldklumpen. Er hob ihn heraus, klopfte den Dreck ab, schob ihn unter sein Hemd und machte sich auf und davon.

Fabel nach Äsop: Der Geizige und sein Goldschatz, hier: Gold wurde gestohlen

Später kam der Geizige zurück. Er hob das Laub an, sah die offene Erde und blieb reglos stehen. Das Loch war leer. Da brach sein Jammern hervor. Er raufte sich die Haare, warf sich auf die Knie und schrie: „Mein Gold ist fort!“

Ein Wanderer hörte die Klagen und spähte über die Hecke. „Was quält euch so?“, fragte er. Der Geizige erzählte alles.

Der Wanderer hörte zu, schüttelte den Kopf und sagte über die Hecke: „Nehmt doch den Stein, legt ihn hinein und schließt die Erde darüber.“

Der Geizige schaute den Wanderer verblüfft an.

Dieser fuhr fort: „Euer Schatz hat euch nur wachgehalten vor Sorge. Gebt dem, was ihr habt, einen Sinn: sorgt für euch, helft anderen, statt alles zu vergraben.“

Da erhob sich der Geizige langsam. Er blickte in die ausgehobene Grube und wusste: So wollte er nicht weiterleben.

Am nächsten Tag ging der Geizige ins Dorf und kaufte sich endlich das Nötige, ohne lange zu zögern.

Auf dem Rückweg sah er, dass eine Nachbarin ihren Korb kaum tragen konnte. Er nahm ihr den Korb ein Stück ab und legte ihr noch ein Brot dazu.

Der Geizige und sein Goldschatz - Fabel nach Äsop

Abends setzte er sich an den Tisch, aß nach langer Zeit ein ordentliches Abendessen und merkte: So hat Geld einen Sinn.

Hinweis: Diese Geschichte ist im Stil eines Märchens neu erzählt und geht auf eine Fabel aus der Äsop-Tradition zurück, die meist unter dem Titel „The Miser and his Gold“ („Der Geizige und sein Gold“) bekannt ist; im deutschsprachigen Raum ist der Stoff außerdem durch spätere Bearbeitungen verbreitet, zum Beispiel durch Gotthold Ephraim Lessings Fabel „Der Geizige“.

Was bedeutet „geizig“?

Fabel frei nach Äsop: Der Geizige und sein Goldschatz

Geizig nennt man jemanden, der Geld oder Besitz so festhält, dass er sich selbst kaum etwas gönnt und auch anderen nichts abgeben mag. Dabei geht es nicht um kluges Sparen. Sparen heißt: Man achtet auf sein Geld und plant.

Geiz heißt: Man hat Angst, etwas zu verlieren, und verzichtet sogar auf Dinge, die man wirklich braucht. Viele alte Fabeln erzählen von Geiz, weil sie zeigen wollen: Besitz tut erst dann gut, wenn man ihn sinnvoll nutzt – zum Leben, zum Teilen, zum Helfen.

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Der Geizige

Die Fabel „Der Geizige und sein Goldschatz“ kurz mit Moral

Ein Geiziger macht sein ganzes Vermögen zu Geld, kauft einen Klumpen Gold und vergräbt ihn außerhalb seines Hauses. Weil er ständig nach der Stelle schaut, wird ein Arbeiter in der Nähe aufmerksam, gräbt das Gold aus und nimmt es mit. Als der Geizige das leere Loch findet, jammert er laut, doch jemand sagt: „Leg einen Stein hinein und stell dir vor, es wäre Gold – gebraucht hast du es ja auch vorher nicht.“

Die Moral: Besitz, den man nur versteckt und nicht sinnvoll nutzt, bringt keinen Gewinn, sondern nur Sorgen.

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