Die Gans, die goldene Eier legte

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Fabel Die Gans, die goldene Eier legte, mit Bildern für Kinder erzählt von Betina Graf

In einem Dorf am Rand eines großen Waldes lebte ein Bauer. Er arbeitete hart, doch am Ende des Tages klapperte der Vorratsschrank mehr, als dass er gefüllt war. Eines Morgens fand er vor dem Stall eine Gans. Sie war weiß, geschniegelt und schaute ihn an, als hätte sie etwas Wichtiges zu sagen.

Als der Bauer das Stroh im Nest zurechtrückte, blitzte etwas Gelbes auf. Er zog es hervor: ein Ei, schwer und glänzend. „Was ist das denn?“ murmelte er und rannte zum Goldschmied. Der prüfte es, rieb daran und biss sogar vorsichtig hinein. „Echtes Gold“, sagte er. Der Bauer schluckte.

Am nächsten Morgen lag wieder ein goldenes Ei im Nest. Und am nächsten auch. Der Bauer kaufte Mehl, Schuhe und eine neue Jacke. Bald stellte er sich eine Truhe in die Stube und legte jedes Ei hinein. Manchmal hob er den Deckel nur, um das Funkeln zu sehen.

Auf dem Markt ließ er die Münzen absichtlich klimpern. „Ich habe eine Gans, die Gold legt!“, rief er. Die Leute staunten. Der Hund vom Nachbarn bellte neidisch, die Katze schnurrte: „So ein Glück!“ Sogar ein Fuchs, der am Rand der Stände herumlungerte, spitzte die Ohren. Auf einem Balken im Schuppen saß eine Eule und krächzte: „Glück wächst mit Geduld, nicht mit Gier.“

Je mehr der Bauer bekam, desto weniger reichte es ihm. „Nur ein Ei am Tag“, knurrte er abends und stapfte unruhig über den Markt. Da schlich sich ein Kaufmann an ihn heran. Er lächelte dünn und flüsterte: „Wenn die Gans jeden Tag Gold bringt, muss in ihr ein ganzer Schatz stecken. Hol dir alles auf einmal, dann bist du der reichste Mann im Tal.“

Die Tiere hielten Rat. Der Hund meinte: „Reich werden ist schön, aber säg nicht an dem Ast, auf dem du sitzt.“ Die Katze meinte: „Ein sicherer Napf ist besser als ein unsicherer Schatz.“ Die Eule nickte: „Gier macht blind – und am Schluss bleibt weniger als vorher.“

Doch in dieser Nacht hörte der Bauer überall das Klirren von Münzen, sogar im Wind. Am Morgen stand er früh auf, nahm ein Messer und ging zum Stall. Die Tiere merkten, dass etwas nicht stimmt. Der Hund jaulte, die Katze fauchte, die Eule rief: „Denk nach!“

Der Bauer hörte nur auf seine Gier. „Ich will den Schatz“, sagte er und tat etwas Schlimmes. Dann suchte er hastig im Bauch der Gans – und fand: nichts Besonderes. Kein Gold, keine Truhe, kein funkelnder Kern. Nur das, was jede Gans hat.

Der Bauer sank auf das Stroh. Das Nest blieb fortan leer. Auf dem Markt wurde sein Beutel wieder leicht, und die Truhe zu Hause blieb geschlossen, weil nichts Neues hineinkam.

Da sagte die Eule: „Wer nicht genug bekommen kann, kann am Ende alles verlieren.“

Hinweis: Diese Fabel ist in der Überlieferung Äsop (Antike) zugeschrieben. Für diese Version habe ich die Geschichte frei nach Äsop neu erzählt und sprachlich kindgerecht umgeschrieben.

Teilen statt gierig sein

Fabel: Die Gans, die goldene Eier legte

Teilen heißt: Ich gebe etwas ab, damit es für alle gut reicht. Das kann ein Stück Kuchen sein, ein Stift in der Schule oder auch einfach meine Hilfe. Wer teilt, zeigt: „Ich sehe dich.“ Oft entsteht dann ein schönes Gefühl, weil man merkt, dass man gemeinsam mehr Freude hat. Teilen macht Freunde, weil niemand sich ausgeschlossen fühlt.

Gierig sein ist anders: Dann denkt man nur an sich und will immer mehr, auch wenn andere dann weniger haben. Das macht schnell Streit und lässt das „Mehr!“ im Kopf immer lauter werden.

Wer teilt, stoppt dieses „Mehr-Mehr-Mehr“ und merkt: Genug kann richtig gut sein. Manchmal ist der größte Schatz nicht das, was man festhält – sondern das, was man miteinander teilt.

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Goldene Eier der Gans

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