Die Raupe und die Biene

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Moderne Fabel mit Bildern für Kinder erzählt von Betina Graf

Auf einer Blütenwiese lebte eine Raupe, die den Blick kaum vom Himmel lassen konnte. Dort schoss eine Biene von Blume zu Blume, als gehöre ihr die Luft. Wenn sie landete, wackelten die Blütenköpfe, und wenn sie wieder abhob, tanzten winzige Pollenfünkchen über der Blüte.

Eines Morgens saß die Raupe tief im Gras und spähte zwischen den Halmen hindurch. Genau in diesem Moment kam die Biene heran, zog einen kleinen Bogen durch die Luft und ließ sich auf einer Glockenblume nieder.

„Ich bewundere dich“, platzte es aus der Raupe heraus. „Du kannst fliegen, bist überall willkommen und wirkst so fleißig und zielstrebig. Ich jedoch krieche nur durch das Gras und lebe von Blättern.“

Die Biene sah sie aufmerksam an. „Du hältst dich für gering, weil du meine Flügel siehst“, sagte sie. „Ich sehe deine Flügel noch nicht, doch ich glaube, sie sind schon unterwegs. In dir reift etwas heran, das sich erst später zeigen wird.“

Die Raupe zog sich zusammen. „Und wenn das bei mir niemals passiert?“

„Du bist dafür gemacht“, antwortete die Biene. „Du musst nichts erzwingen, alles braucht seine Zeit. Du wirst spüren, wenn es soweit ist. Dann such dir einen sicheren Platz und hab den Mut, dich zu verwandeln. Vertraue der Veränderung!“

Moderne Fabel: Die Raupe und die Biene, hier: Der Kokon

In der folgenden Nacht spürte die Raupe ein Ziehen in sich, wie ein Startsignal zu etwas Neuem. Sie kroch zu einem Ast, der fest zwischen zwei Stängeln lag, und begann zu spinnen. Faden um Faden schloss sich um sie, bis sie ganz in ihrem Kokon war.

Am nächsten Tag kam die Biene. Sie setzte sich auf den Ast und sagte: „Du bist nicht allein, ich bleibe in deiner Nähe.“ Dann kam sie wieder und wieder. Sie erzählte von neuen Blüten, von warmem Licht und vom Duft des Klees, damit die Raupe wusste: Die Wiese wartet auf sie.

Eines Morgens knackte es. Der Kokon sprang auf, und ein Schmetterling trat heraus. Zuerst klebten seine Flügel noch zusammen und wirkten zerknittert, doch schon kurze Zeit später entfalteten sie sich in all ihrer Schönheit im Sonnenlicht.

Fabel: Die Raupe und die Biene, hier der Schmetterling

Die Biene stieg auf und summte vor Freude. „Du hast es geschafft!“

Der Schmetterling nickte. „Ich kann es kaum glauben: Ich bin ein Schmetterling!“

„Dann flieg mit mir“, rief die Biene.

Und so flogen sie gemeinsam über die Wiese, landeten erst hier, dann dort, immer wieder auf neuen Blüten. Ab diesem Zeitpunkt gehörten beide in die Luft.

Hinweis: Diese moderne Fabel soll zeigen, dass jedes Wesen eigene Stärken hat und dass Veränderung Zeit braucht – am Ende darf man darüber richtig staunen.

Von der Raupe zum Schmetterling

Moderne Fabel: Die Raupe und die Biene

Raupen sind die „Kinderform“ vieler Schmetterlinge. Sie schlüpfen aus einem Ei und fressen Blätter, damit sie wachsen können. Dabei häuten sie sich mehrmals, weil ihre Haut nicht mitwächst. Wenn die Raupe groß genug ist, sucht sie einen geschützten Platz und wird zur Puppe (man sagt dazu: sie verpuppt sich).

In der Puppe passiert die große Verwandlung: Aus der Raupe wird ein Schmetterling mit Flügeln. Wenn er schlüpft, sind die Flügel zuerst noch zerknittert, dann werden sie größer und glatt. Schmetterlinge trinken Nektar aus Blüten und tragen dabei Blütenstaub weiter – so helfen sie der Wiese, neue Pflanzen zu bekommen.

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Raupe und Biene

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