Am ersten Dezember fand Leni hinter dem Türchen einen winzigen Teller. Er war weiß, hatte einen roten Rand und war kaum größer als eine Zwei-Euro-Münze. Leni drehte ihn zwischen den Fingern und sah noch einmal in das Fach. Vielleicht lag darunter noch Schokolade?
Tat es nicht.

Ihre Mutter kam aus der Küche, wischte sich die Hände an der Schürze ab und betrachtete den Teller. „Hübsch“, meinte sie nur. Leni fand das keine besonders brauchbare Antwort und stellte ihn auf die Fensterbank.
Am nächsten Morgen lag eine kleine Bürste im Kalender, danach ein Kissen, dann ein Topf. Ihre Freundin Jule bekam jeden Tag Schokolade. Leni bekam Dinge, mit denen kein vernünftiger Mensch etwas anfangen konnte. Der Topf war so klein, dass nicht einmal ein Teelöffel hineinpasste.
Trotzdem hob sie alles auf. Nach einer Woche stand auf der Fensterbank ein Stuhl, daneben zwei Tassen und ein Besen mit einem Stiel, der kaum länger war als ihr Finger. Den Besen benutzte Leni eine Zeit lang für ihren Stoffhasen, der angeblich dringend den Rücken gekratzt bekommen musste. In den Topf legte sie einen Milchzahn, den sie noch in einer Schublade gefunden hatte. Ihre Mutter wollte wissen, weshalb. Leni wusste es selbst nicht genau.
Am zehnten Dezember kam eine Lampe dazu. Leni räumte die ganze Sammlung auf den Teppich und stellte die Sachen probeweise zusammen. Der Stuhl bekam das Kissen, Teller und Tassen kamen auf eine umgedrehte Schachtel. Es sah ein bisschen nach einem Zimmer aus, nur fehlten die Wände und jemand, der darin wohnte.
Am nächsten Morgen fand sie eine Bratpfanne.
Damit war ihre Vermutung erst einmal erledigt.
Bis Weihnachten kamen noch ein Teppich, ein Korb, eine Standuhr und schließlich sogar ein Bett dazu. Bei der Uhr standen die Zeiger fest auf halb vier. Leni versuchte einmal mit einer Nadel nachzuhelfen und hörte auf, als sie beinahe das Zifferblatt zerkratzte.
Ihre Mutter trat kurz darauf auf den winzigen Besen und verlangte, dass die Sachen nicht länger mitten im Zimmer herumlagen. Also bekam alles eine Schachtel. Leni räumte sie am Nachmittag wieder aus.
Am 19. Dezember hielt sie das kleine Bett hoch und fragte, wer darin eigentlich schlafen sollte. Ihre Mutter war gerade mit Geschenkpapier beschäftigt und sagte nur, sie habe keine Ahnung. Dabei sah sie nicht einmal auf. Das machte Leni misstrauisch, aber nur kurz, denn draußen kam Jule vorbei und wollte Schlitten fahren.
Am 23. Dezember steckte ein kleiner Tannenbaum im Kalender. Leni stellte nun alles noch einmal auf. Der Baum passte nirgends richtig hin und kippte dauernd um. Schließlich klemmte sie ihn zwischen Standuhr und Bett.
Hinter Türchen 24 lag am nächsten Morgen nur ein Schlüssel.
Leni hatte sich für den letzten Tag etwas Besseres vorgestellt. Sie probierte ihn an ihrer Spardose und später an der Schmuckschatulle ihrer Mutter. Er war für beides viel zu klein.
Am Abend stand unter dem Weihnachtsbaum etwas Großes, über das ihr Vater eine Decke gelegt hatte. Leni zog sie herunter und brauchte einen Augenblick, bis sie begriff, was vor ihr stand.
Es war ein wunderschönes Puppenhaus mit zwei Stockwerken, kleinen Fenstern und einer grünen Haustür. Die Zimmer darin waren leer.

Unter dem Weihnachtsbaum lag noch ein kleines Päckchen. Leni hatte es vor lauter Puppenhaus beinahe übersehen. Darin steckten sechs weiche Stoffpüppchen: eine Mama, ein Papa, ein Mädchen und ein Junge, dazu eine Oma und ein Opa. Leni war begeistert! Jetzt war das Haus nicht mehr leer.
Endlich konnte jemand in den kleinen Betten schlafen, am Tisch sitzen und durch die grüne Haustür kommen. Sie verteilte die Familie im Haus, änderte ihre Meinung gleich wieder und stellte alle noch einmal um.
Ganz zuletzt holte sie den winzigen Teller hervor, den sie am ersten Dezember im Adventskalender gefunden hatte und damals ziemlich enttäuschend fand. Jetzt stellte sie ihn auf den kleinen Tisch und setzte die Stofffamilie darum herum.
Das Puppenhaus war eingerichtet. Und Leni hatte schon längst eine Idee, was darin als Erstes passieren sollte.
24 Türchen bis Heiligabend
Adventskalender gibt es schon seit mehr als 100 Jahren. Sie entstanden, damit Kinder sehen konnten, wie viele Tage es noch bis Weihnachten dauert. Mit jedem Tag rückte das Weihnachtsfest ein kleines Stück näher.
Früher sahen Adventskalender ganz anders aus als heute. In manchen Familien malten die Eltern Kreidestriche an eine Tür, von denen jeden Tag einer weggewischt wurde. Anderswo wurden nach und nach Bilder aufgehängt. Später entstanden gedruckte Kalender und schließlich auch die bekannten Kalender mit 24 Türchen. Eines ist geblieben: Vom 1. bis zum 24. Dezember darf jeden Tag gezählt, geöffnet oder etwas Neues entdeckt werden.
Download der Geschichte "Der geheimnisvolle Adventskalender!
Möchten Sie die Geschichte rund um den besonderen Adventskalender in Ruhe lesen oder vorlesen? Hier können Sie sie kostenlos als PDF herunterladen und ausdrucken – vielleicht für eine gemütliche Adventsstunde:
Auch das passende Quiz zum Adventskalender können Sie kostenlos als PDF herunterladen und ausdrucken. Tipp: Sammeln Sie die Quizkarten zu den verschiedenen Weihnachtsbräuchen und stellen Sie daraus über die Weihnachtstage ein gemeinsames Weihnachtsquiz für die ganze Familie zusammen:
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Die folgenden drei Bilder sind zum Teilen auf Pinterest gedacht. Vielleicht passt eines davon gut auf Ihre Weihnachts-, Advents- oder Geschichten-Pinnwand? Ich freue mich sehr, wenn die Motive weitergepinnt werden und so noch mehr Menschen auf die Geschichte aufmerksam werden.
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