Der gefleckte Frosch – Fabel über Inklusion

Lesezeit: 3 Minuten

Fabel Der gefleckte Frosch mit Bildern für Kinder erzählt von Betina Graf

Am Rand eines Teiches lebte eine Schar grüner Frösche. Tagsüber sonnten sie sich auf runden Seerosenblättern, die auf dem Wasser trieben, und auf den festen Blättern der Teichrose. Zwischen Schilf, Binsen, Wasserlinsen und Wasserpest jagten sie Mücken und sprangen von Blatt zu Blatt. Wenn ein Schatten über den Teich glitt, duckten sie sich sofort.

Eines Tages kam ein Frosch, den keiner übersehen konnte: Seine Haut war schwarz und glänzend, darauf leuchteten auffällige orange Flecken und Streifen – als würde er allen zeigen: „Mit mir ist nicht zu spaßen.“ Er setzte sich auf ein Seerosenblatt und sagte: „Darf ich bei euch bleiben?“

Die grünen Frösche wichen zurück. „Du siehst gefährlich aus“, quakte einer. „Mit so einem Muster erschreckst du alle!“ Ein anderer meinte: „Bei uns ist man grün. Punkt.“

Und so ließen sie den Fremden am Schilfrand sitzen, weit weg von den besten Sonnenplätzen. Dabei zeigte er ihnen gute Mückenstellen und warnte, wenn sich am Ufer etwas bewegte.

Eines Morgens landete ein Reiher am Rand des Wassers. Er stand da, schaute auf die Blätter und machte einen Schritt nach vorn. Einige Frösche rutschten hastig ins Wasser. Andere bewegten sich keinen Schritt, weil sie nicht wussten, wohin zuerst.

Da sprang der schwarz-orange Frosch auf das oberste Seerosenblatt, mitten in die offene Fläche. Sein Muster war nicht zu übersehen. Der Reiher beugte den Kopf, hielt an und zögerte. Auffällige Farben bedeuteten für ihn: besser Abstand halten, sonst gibt es Ärger im Bauch.

„Jetzt!“, rief der gefleckte Frosch. „Unter das Schilf! Zwischen die Binsen! Versteckt euch!“

Die grünen Frösche tauchten ab, schlüpften zwischen Halme und versteckten sich unter den großen Blättern. Auch die Kaulquappen huschten unter die Wasserpflanzen.

Der Reiher wartete noch einen Augenblick, schüttelte den Kopf und flog weiter. Er steuerte die Wiese hinter dem Teich an und suchte dort nach Würmern am feuchten Boden.

Als die Gefahr vorbei war, kamen die Frösche wieder hervor. Einer fragte: „Warum hat er dich nicht gepackt?“

Der schwarz-orange Frosch antwortete: „Vielleicht dachte er, ich sei giftig. Vielleicht war ihm das Risiko zu groß. Meine Farben haben ihn irritiert und uns Zeit gebracht.“

Der älteste Frosch senkte den Blick. „Wir haben dich weggeschoben, weil du anders aussiehst“, sagte er. „Dabei hast du uns geholfen, genau so wie du bist.“

Da rückten die Frösche zusammen und machten Platz auf den Seerosenblättern. Von da an sprang der schwarz-orange Frosch mit der grünen Schar über den Teich, und niemand nannte ihn mehr „zu auffällig“.

Hinweis: Diese Geschichte ist eine kindgerechte Fabel. Sie zeigt, dass Anderssein kein Fehler ist – manchmal wird es sogar zur Stärke, die allen hilft.

Mut zum Anderssein

Moderne Fabel: Der gefleckte Frosch

In der Fabel wird der Frosch zuerst abgelehnt, nur weil er anders aussieht. Dabei sagt Aussehen nicht, ob jemand nett, klug oder hilfreich ist. Jeder bringt etwas Eigenes mit: Manche sind schnell, manche aufmerksam, manche finden gute Ideen – und manche fallen so auf, dass andere lieber Abstand halten.

Wenn eine Gruppe nur das „Gleiche“ akzeptiert, gehen viele Stärken verloren. In der Fabel zeigt sich: Gerade das Ungewöhnliche kann in einer schwierigen Situation nützlich sein.

Wer fair bleibt, zuhört und niemanden ausschließt, macht es für alle leichter – und bekommt am Ende ein Team, das besser zusammenhält.

PDF-Download der Fabel „Der gefleckte Frosch“

Sie können die Fabel „Der gefleckte Frosch“ jederzeit online lesen – auch unterwegs bequem auf Smartphone oder Tablet. Für die Druckversion gibt es ein kostenloses PDF:

Der gefleckte Frosch

Fabel „Der gefleckte Frosch“ teilen

Der gefleckte Frosch: Moderne Fabel mit Bildern, mit PDF zum Ausdrucken
Moderne Fabel mit Bildern, kostenlos zum Ausdrucken: Der gefleckte Frosch
Der gefleckte Frosch: Moderne Fabel mit Bildern

Ergänzende Geschichten-Sammlungen:

Weitere Fabeln