Es war einmal ein Fuchs, der durch Wald und Feld strich. Er kannte Pfade, Gräben, Hecken und glaubte, er sei schlauer als jeder Jäger.
Eines Morgens folgte er einer frischen Spur bis nahe an den Rand des Dorfes. Da knackte es im Gebüsch. Ein Jäger trat hervor, neben ihm sprang ein Hund, der laut bellte. Der Fuchs fuhr herum und rannte los.
Er schoss zwischen Stämmen hindurch, sprang über Wurzeln, drückte sich durch dichtes Grün. Sein Atem ging schnell, das Bellen rückte näher. Der Boden wurde steinig, der Wald lichtete sich. Vor ihm lag ein Felshang, steil und glatt. Rechts und links wuchs Gestrüpp. Der Fuchs zögerte nur einen Augenblick, dann wählte er den Fels.
Er setzte die Pfoten an, zog sich hoch und fand kurz Halt. Dann rutschte der Stein. Sand rieselte, kleine Steine sprangen. Der Fuchs glitt zurück, krallte sich fest, suchte eine Kante.
Über ihm ragte aus einer Spalte ein Dornenstrauch. Der Fuchs streckte die Vorderpfoten aus, packte die Zweige und zog sich hoch. Dornen stachen ihm in die Pfoten und durch sein Fell, doch die Zweige hielten. Er biss die Zähne zusammen, zog sich weiter hoch, bis er den Rand erreichte.
Endlich stand er oben auf festem Boden. Er schüttelte die Pfoten, sah die Schrammen und spürte das Brennen. Unten am Hang hingen die Zweige des Dornenstrauchs, die ihm den Aufstieg ermöglicht hatten.
Der Fuchs beugte sich vor, blickte zum Dornenstrauch hinab und rief: „Du hast mich festgehalten, doch du hast mich verletzt. Nennst du das Hilfe?“
Der Dornenstrauch raschelte. Eine Stimme kam aus den Zweigen: „Fuchs, du hast nach mir gegriffen. Ich bin ein Dornenstrauch. Dornen gehören nun einmal zu mir. Du wolltest Halt, den hast du bekommen. Wer mich packt, bekommt Stiche. Das ist meine Art.“
Der Fuchs knurrte und trat einen Schritt zurück. „Dann taugst du nicht als Retter“, sagte er. Der Dornenstrauch antwortete: „Ich gebe, was ich geben kann. Wer schnell zugreift, soll vorher wissen, wonach er greift. Such dir einen festen Ast, such dir einen sichere Wurzel. Aber such keinen Trost bei Dornen!“
Da landete eine Eule auf einer Felskante und sah den Fuchs streng an. „Hör dir das gut an“, sprach sie. „In der Not greift man nach dem Nächsten. Darum ist Dank besser als Schimpfen, wenn man heil davongekommen ist.“
Der Fuchs schwieg, leckte seine wunden Pfoten und machte sich auf den Weg, dieses Mal mit wachsameren Augen.
Hinweis: Diese Fabel wurde neu im Stil eines Märchens erzählt und eignet sich gut zum Vorlesen für Vorschul- und Grundschulkinder. Die Fabel stammt aus der Äsop-Tradition und wird Äsop zugeschrieben.
Hilfe ist nicht immer bequem
In dieser Fabel geht es darum, dass Hilfe manchmal „kratzig“ ausfällt. Der Dornenstrauch rettet den Fuchs vor dem Absturz. Seine Dornen gehören zu ihm. Wer sich an ihn klammert, spürt das. Die Moral zeigt: Man sollte nicht erwarten, dass jede Rettung angenehm ist.
Außerdem lehrt die Fabel, dass Schimpfen am falschen Platz ist, wenn man gerade aus der Gefahr herausgekommen ist. Klüger ist es, dankbar zu sein und daraus zu lernen: In einer Notlage greift man nach dem, was Halt gibt. Danach lohnt es sich, die eigenen Worte zu prüfen und die Natur der Dinge zu verstehen.
PDF-Download der Fabel „Der Fuchs und der Dornenstrauch“
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Die Fabel „Der Fuchs und der Dornenstrauch“ kurz mit Moral
Ein Fuchs gerät in Gefahr und braucht Halt, um nicht zu stürzen. Er klammert sich an einen Dornenstrauch und rettet sich. Danach schimpft er, weil die Dornen ihn verletzt haben. Der Dornenstrauch sagt: Wer sich an mich hängt, muss mit Stichen rechnen.
Die Moral: Schimpfen Sie nicht über Hilfe, die Sie gerettet hat, nur weil sie nicht angenehm war.
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