An einem sonnigen Tag hockte ein Frosch am Rand eines Teiches. Im Wasser glitzerten Libellen, Schilf raschelte, und auf der Wiese daneben graste ein Ochse. Wenn er den Kopf hob, schnaubte er so kräftig, dass die Grashalme wippten. Er war so groß, dass sein Schatten bis fast ans Wasser reichte. Der Frosch starrte hinüber und dachte: „So viel Platz, so viel Kraft – alle schauen zu ihm.“
Er sprang zu den anderen Fröschen, die zwischen Wasserlinsen planschten. „Habt ihr den Ochsen gesehen?“, rief er. „So groß will ich auch werden! Dann bewundert man mich genauso.“
Ein junger Frosch blinzelte. „Aber du bist doch ein Frosch.“
„Pah“, sagte der Frosch und stellte sich breitbeinig hin. „Größe ist nur eine Frage des Wollens.“ Er holte tief Luft und blähte seinen Bauch auf. Sein grüner Körper wurde rund wie ein kleiner Ball.
„Und?“, fragte er stolz. „Bin ich schon so groß wie der Ochse?“
Die Frösche kicherten. „Noch lange nicht“, rief einer. „Der Ochse ist riesig – seine Hufe sind größer als dein ganzer Kopf!“
Der Frosch kniff die Augen zusammen. „Dann eben mehr!“ Er sog noch mehr Luft ein. Die Haut spannte sich, der Bauch wölbte sich höher, und seine Beine wirkten plötzlich dünn wie Strohhalme. Er wackelte, fing sich und tat, als wäre das Absicht.
„Jetzt aber!“, prahlte er. „Bin ich so groß?“
Ein alter Frosch, der schon viele Sommer kannte, hüpfte näher. „Hör auf“, warnte er. „Der Ochse bleibt ein Ochse. Du bist schnell, du springst weit – das ist deine Stärke.“
„Schnell? Springen?“, schnarrte der Frosch. „Was nützt das, wenn niemand staunt?“ Er presste die Luft noch tiefer hinein. Sein Bauch wurde so straff, dass er glänzte, und er hob sich sogar ein wenig vom Boden, als würde ihn die Luft tragen.
Die anderen Frösche wurden still. „Stopp!“, rief der junge Frosch. „Das sieht gefährlich aus!“
Aufgeblasen bis zum Knall
„Gefährlich ist nur, klein zu bleiben!“, entrüstete sich der Frosch. Er blähte sich ein letztes Mal auf – größer als je zuvor. Einen Augenblick stand er da, prall und rund, und seine Augen suchten den Ochsen, als wollte er ihn herausfordern.
Da knackte es in seiner Haut wie bei einem zu vollen Beutel. Ein kurzes „Plopp“ folgte, die Luft entwich, und der Frosch sackte in sich zusammen.
Die Frösche schauten erschrocken auf das, was von der Prahlerei übrig blieb. Auf der Wiese kaute der Ochse weiter, als wäre nichts gewesen.
Hinweis: Die Fabel „Der Frosch und der Ochse“ wird dem antiken griechischen Fabelerzähler Äsop zugeschrieben. Diese Version ist kindgerecht neu erzählt.
Vergleiche bringen keinen Frieden
In der Fabel will der Frosch unbedingt so groß wirken wie der Ochse. Dabei vergisst er, was er bereits gut kann: springen, tauchen, flink sein.
Der Wunsch nach Bewunderung wird immer größer, bis daraus ein gefährliches Übertreiben wird.
Die Geschichte zeigt: Vergleiche machen schnell unzufrieden und führen zu unnötigem Druck. Wer sich nur aufblasen will, verliert leicht die Kontrolle und sogar das, was ihn eigentlich ausmacht.
Besser ist es, die eigenen Stärken zu nutzen, statt jemand anderes nachmachen zu wollen.
PDF-Download der Fabel „Der Frosch und der Ochse“
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