Es war einmal ein junger Bursche, der Hans hieß. Sieben Jahre hatte er fleißig gearbeitet, und endlich gab ihm sein Meister zum Lohn einen schweren Klumpen Gold.
Hans band das Gold in ein Tuch, legte es auf die Schulter und machte sich auf den Heimweg. Der Weg führte durch Felder und über einen Hügel. Die Sonne stand hoch, und Hans spürte, dass das Gold ihn drückte.
Da kam ein Reiter vorbei, sein Pferd trabte munter. Hans blieb stehen. „Ach“, rief er, „zu Fuß geht das langsam. Reiten brächte mich rascher ans Ziel.“
Der Reiter lachte und zeigte auf das Gold. „Gib mir das Gold, dann gehört dir das Pferd.“
Hans dachte nicht langer nach. Er wollte heim, und er wollte ankommen. Er gab dem Reiter das Gold und schwang sich auf das Pferd.
Zuerst ging alles gut. Dann wurde das Pferd unruhig. Es sprang zur Seite, stieß ein heftiges Schnauben aus und warf Hans in den Staub. Hans rappelte sich hoch. Sein Arm schmerzte, und sein Knie war voller Dreck.
Da kam ein Bauer mit einer Kuh den Weg entlang. Die Kuh zog ruhig am Strick. Hans rief: „Mit dem Pferd gibt es Ärger. Deine Kuh bringt Milch, und sie läuft brav. Tauschen wir!“
Der Bauer überlegte. Das Pferd gefiel ihm. Er nahm das Pferd, und Hans bekam die Kuh und einen Eimer zum Melken.
Hans ging weiter und stellte sich frische Milch vor. Der Durst packte ihn. Er wollte melken, setzte sich mit dem Eimer hin und griff nach dem Euter. Da trat die Kuh aus und traf seinen Eimer, der umkippte. Hans sprang zurück.
„Das klappt ja gar nicht“, sagte er und rieb sich die Stirn.
Da hörte er ein Grunzen. Ein Metzger kam mit einem dicken Schwein. Hans trat zu ihm. „Dein Schwein ist ein guter Braten“, sagte Hans. „Meine Kuh macht Probleme. Tauschen wir!“
Der Metzger nickte, nahm die Kuh und gab Hans das Schwein.
Hans war zufrieden und zog das Schwein an einem Strick. Da tauchte ein Mann auf, der ein Gänsegespann trug. Die Gänse zappelten und schnatterten.
Der Mann sagte: „Schwein? Pass auf! In der Stadt suchen sie gerade nach einem Dieb. Manches Schwein stammt aus fremdem Stall.“ Hans wurde blass. Er wollte keinen Ärger.
„Nimm mein Schwein“, sagte er schnell, „gib mir deine Gänse.“ Der Mann grinste, nahm das Schwein und drückte Hans die Gänse in die Arme.
Hans ging weiter. Die Gänse waren schwer, doch sein Herz wurde froh. „Mit den Gänsen mache ich ein Fest“, dachte er.
Dann traf er einen Schleifer mit einem schweren Mühlstein. Der Mann trug den Stein an einem Riemen, und in der Hand hielt er einen kleinen Schleifstein.
„Mit dem Mühlstein verdiene ich gutes Geld“, prahlte er. „Und mit dem Schleifstein schärfe ich Messer. Das bringt Arbeit.“
Hans staunte. Arbeit kannte er, und es reizte ihn, etwas zu bekommen, was ihn versorgen könnte. Der Schleifer sah die Gänse. „Gib mir die Gänse, dann bekommst du Mühlstein und Schleifstein.“
Hans meinte, das sei ein guter Handel, und er tauschte.
Nun hatte Hans zwei Steine. Er ging weiter, doch die Last zog ihn nach unten. Seine Füße wurden müde. Der Weg führte an einem Brunnen vorbei. Hans wollte trinken, setzte sich auf den Rand und löste den Riemen.
Da rutschte der Mühlstein. Plumps! Er fiel in den Brunnen, und Wasser spritzte hoch. Hans erschrak, sprang zurück, und dann fiel auch der Schleifstein hinterher, tief hinab.
Hans starrte in den Brunnen. Kein Stein war zu sehen. Keine Last lag auf seiner Schulter. Da klatsche Hans in die Hände.
„Was für ein Glück!“ rief er. „Jetzt bin ich frei, und ich kann heimgehen, ohne etwas zu schleppen.“
Er stapfte gut gelaunt weiter und kam schließlich bei seiner Mutter an.
Er erzählte ihr alles, von Gold und Pferd, von Kuh und Schwein, von Gänsen und Steinen. Die Mutter schüttelte den Kopf, dann lachte sie, bis ihr die Tränen kamen, und Hans lachte mit.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann lachen sie noch heute.
Hinweis: Diese Geschichte ist eine neu erzählte Fassung des Märchens „Hans im Glück“, frei nach den Brüdern Grimm. Sie eignet sich besonders für das gemeinsame Lesen in Familie oder Schule.
Was macht wirklich glücklich?
Glück ist für jeden Menschen etwas anderes. Manche freuen sich über Spiel und Bewegung, andere über ein gutes Gespräch, ein Haustier, ein gelungenes Bauwerk aus Steinen oder einen Moment voller Lachen. Glück hat viele Formen und zeigt sich häufig in kleinen Dingen: ein freundliches Wort, ein gemeinsames Spiel, ein warmes Essen oder das Gefühl, sicher und geborgen zu sein.
Reichtum kann vieles leichter machen, doch er ist keine sichere Abkürzung zum Glück. Geld kann nützlich sein, aber Zufriedenheit entsteht auch ohne große Schätze, etwa durch Freundschaft, Zusammenhalt, Mut und das Gefühl von Freiheit.
Im Märchen wird sichtbar, dass weniger Ballast sich für Hans wie Gewinn anfühlt – und damit wird klar: Glück hängt nicht nur von Besitz ab, sondern auch davon, was im Inneren zählt.
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