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Vor langer Zeit lebte in einem Dorf am Fuß der Berge ein alter Mann. Er hatte ein kleines Haus und verdiente seinen Lebensunterhalt damit, im Wald Holz und Reisig zu sammeln.
Eines Tages hörte er zwischen Farn und trockenem Laub ein Rascheln. Dort stand ein junger Fuchs und schaute zu einem Ast hinauf, an dem rote Früchte hingen. Immer wieder sprang er danach, doch der Ast war zu hoch.
Der alte Mann legte sein Holzbündel ab, zog den Ast mit seinem Stock herunter und schüttelte ihn. Einige Früchte fielen ins Gras. Der Fuchs nahm eine davon und lief ein Stück fort. Bevor er im Gebüsch verschwand, sah er noch einmal zurück.
Ein paar Tage später wartete derselbe Fuchs am Wegrand. Kaum kam der Mann näher, lief das Tier voraus, blieb stehen und wartete wieder. So führte es ihn zu einer geschützten Stelle zwischen hohen Bäumen.
Dort saß eine Füchsin. Vor ihr lag eine alte Haube aus grauem Stoff. Sie war schlicht und an einer Stelle ausgebessert. Die Füchsin schob sie mit der Schnauze zu ihm hin.
Der Mann wusste nicht recht, was er damit anfangen sollte. Er nahm die Haube dennoch an sich und trug sie nach Hause.
Am nächsten Morgen setzte er sie auf, weil es kühl war.
Im Pflaumenbaum vor seinem Haus stritten zwei Spatzen um einen Platz auf einem Zweig. Der Alte blieb stehen. Er verstand jedes Wort.
Verwundert nahm er die Haube ab. Nun hörte er nur noch das gewöhnliche Zwitschern. Sobald er sie wieder aufsetzte, verstand er die Vögel.
Von da an bewahrte er die Haube sorgfältig auf. Wenn er sie trug, hörte er, was die Tiere im Wald miteinander redeten. Manchmal vernahm er sogar Stimmen aus den alten Bäumen. Davon erzählte er niemandem.
Zu jener Zeit war die Tochter eines wohlhabenden Mannes schwer krank. Ihr Vater hatte Ärzte kommen lassen und viele Arzneien besorgt, doch nichts half.
Eines Tages ruhte der Alte auf dem Heimweg unter einer Kiefer. Über ihm ließen sich zwei Krähen nieder. Weil er die Hörhaube trug, konnte er ihr Gespräch verstehen.
Sie sprachen von der kranken jungen Frau. Die Menschen im großen Haus, meinte eine der Krähen, könnten noch lange nach einer Arznei suchen. Solange das Lagerhaus auf der Wurzel des alten Kampferbaums stehe, werde die Tochter nicht gesund.
Kurz darauf flogen die Krähen davon.

Am folgenden Morgen ging der Alte zu dem großen Haus. Die Diener am Tor glaubten ihm kein Wort und wollten ihn fortschicken. Er blieb jedoch dort und bat darum, mit dem Hausherrn sprechen zu dürfen. Schließlich ließ man ihn ein.
Der Alte wollte das Lagerhaus sehen.
Es stand dicht neben einem mächtigen Kampferbaum. Eine Seite des Gebäudes lag über einer dicken Wurzel, die fast ganz unter Erde und Steinen verschwunden war.
Der Mann setzte die Haube auf.
Aus dem Kampferbaum hörte er eine schwache, klagende Stimme. Seit Jahren laste das schwere Gebäude auf seiner Wurzel. Niemand habe sein Stöhnen gehört.
Der alte Mann riet dem Hausherrn, das Lagerhaus versetzen zu lassen. Noch am selben Tag wurden Arbeiter gerufen. Sie räumten Säcke und Kisten aus dem Lagerhaus, lösten die Balken und versetzten das Gebäude. Unter dem Fundament fanden sie die eingeklemmte Wurzel.
Wenige Tage später konnte die Tochter wieder am offenen Fenster sitzen. Bald ging sie hinaus in den Garten, und nach und nach kehrten ihre Kräfte zurück.
Ihr Vater wollte dem alten Mann eine große Belohnung geben. Der nahm nur einen Teil davon an. Auf dem Heimweg kaufte er einige Stücke in Öl gebackenen Tofu und ging damit nicht gleich nach Hause, sondern weiter hinauf in den Wald.
An der Stelle zwischen den hohen Bäumen setzte er sich und wartete.
Nach einer Weile erschien der junge Fuchs. Hinter ihm kam die Füchsin aus dem Gebüsch.
Der Alte legte den Tofu auf ein Stück Rinde und rückte ein wenig zur Seite. Die Füchse kamen näher und fraßen.
Die graue Haube lag neben ihm im Moos.
Als der alte Mann später aufstand, setzte er sie wieder auf. In den Zweigen über ihm sprachen die Vögel davon, dass am Abend Regen kommen würde.
Er nahm sein leeres Tuch und ging heim.
„Die Hörhaube“ ist ein traditionelles japanisches Volksmärchen, das in unterschiedlichen Fassungen überliefert wurde. Im Japanischen ist die Geschichte als „Kikimimi Zukin“ bekannt. Gemeinsam ist den Erzählungen die wundersame Haube, durch die ein Mensch die Sprache der Tiere verstehen kann; je nach Region unterscheiden sich einzelne Figuren und Begebenheiten. Die hier erzählte Fassung greift dieses alte Märchenmotiv auf und wurde frei und eigenständig neu erzählt.
Zuhören, helfen und genauer hinsehen
Es ist gut, anderen zu helfen, auch wenn man dafür nichts zurückbekommt. Schon eine kleine Hilfe kann für jemand anderen sehr wichtig sein. Wer gut zuhört und genau hinschaut, merkt manchmal mehr als andere. Und wer freundlich handelt, kann etwas Gutes in Bewegung bringen, ohne es vorher zu wissen.
Manchmal braucht es dafür gar nicht viel. Jemandem die Hand reichen, etwas teilen oder sich Zeit nehmen kann schon einen Unterschied machen. Vielleicht entsteht daraus sogar etwas Gutes, mit dem vorher niemand gerechnet hat.
Download des Märchens „Die magische Hörhaube“
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