Die drei dummen Wünsche

Lesezeit: 6 Minuten

Märchen für Kinder erzählt von Betina Graf

Es war einmal ein armer Holzfäller, der jeden Morgen mit seiner Axt in den Wald ging. Er kannte jeden Baum, jeden Pfad und jeden Vogelruf, doch trotz harter Arbeit blieb das Geld knapp.

Zuhause warteten dünne Brotscheiben, eine Suppe mit viel Wasser und ein Ofen, der selten richtig warm wurde. Trotzdem machte er weiter, Tag für Tag, denn er war fleißig und hoffte auf bessere Zeiten.

Eines Tages arbeitete er tiefer im Wald, weit weg von den Hütten des Dorfes. Die Luft fühlte sich plötzlich anders an, und der Holzfäller hielt mitten in der Bewegung inne.

Zwischen Farn und Moos schimmerte etwas, das dort vorher nicht gewesen war. Da trat eine Fee hervor, strahlend und lichtvoll, mit einem Kleid, das glitzerte, und Augen, die wie Sterne funkelten.

Humorvolles Märchen: Die drei dummen Wünsche

„Holzfäller“, sagte sie, „du hast dich redlich geplagt und niemandem Unrecht getan. Darum schenke ich dir drei Wünsche. Drei Worte können dein Leben wenden. Doch überlege gut, bevor du sie aussprichst!“

Der Holzfäller bekam große Augen. Drei Wünsche! Sein Herz klopfte, seine Gedanken sprangen hin und her: ein warmes Haus, ein voller Vorratsraum, ein Dach ohne Löcher, ein Tisch ohne Sorgen.

Er wollte noch etwas fragen, doch die Fee hob nur die Hand, lächelte kurz und verschwand zwischen den Bäumen, so rasch, dass er nur noch den Glanz in den Blättern sah.

Der Holzfäller rannte nach Hause, stolperte fast über die Türschwelle und rief nach seiner Frau. „Eine Fee! Ich habe eine Fee gesehen! Sie hat uns drei Wünsche geschenkt!“

Seine Frau blieb stehen, den Löffel in der Hand, und ihr Gesicht wechselte von Staunen zu Freude, dann zu wildem Grübeln.

„Drei Wünsche…“, sagte sie. „Wir müssen klug sein. Sehr klug. Erst das Dach, dann…“

„Und eine Kuh!“, rief der Holzfäller dazwischen. „Und warme Decken! Und…“

Sie redeten sich immer schneller, malten sich alles aus, was ihnen fehlte, und wurden dabei so aufgeregt, dass sie kaum noch Luft holten.

Genau in diesem Moment knurrte der Magen der Frau so laut, dass sogar die Katze erschrocken unter die Bank fuhr.

Die Frau legte eine Hand auf den Bauch und rief: „Ach, ich will jetzt sofort eine Wurst! Eine große, gebratene Wurst, duftend und schön braun!“

Der Holzfäller drehte sich zu ihr, noch ganz voller Fee und Wunder, und rief ohne nachzudenken: „Dann sag es richtig, dann wird es wahr!“

Kaum waren die Worte gesprochen, lag auf dem Tisch eine Wurst. Warm, duftend, mitten zwischen Teller und Becher, geschniegelt und geschniegelt frech, als gehöre sie dort seit jeher hin.

Beide starrten darauf. Dann starrten sie einander an.

„Eine Wurst…“, sagte die Frau langsam.

„Ein Wunsch ist weg“, sagte der Holzfäller, und seine Stimme wurde plötzlich sehr ernst.

Die Frau riss die Arme hoch. „Das war nur so dahingesagt! Ich hatte so großen Hunger!“

„Wünsche kennen kein Spaß-Gerede“, rief der Holzfäller. „Diese Art der Wünsche erfüllen sich sofort!“

Die Frau stemmte die Hände in die Hüften. „Du hättest mich bremsen sollen!“

„Und du hättest nachdenken sollen!“, schoss er zurück.

Der Streit wurde immer lauter und ließ die Hütte beben. Tassen klirrten, die Katze duckte sich noch tiefer, und die Wurst lag da, geschniegelt und zufrieden, und tat, als ginge sie das alles nichts an.

Der Holzfäller fuchtelte mit den Armen. „So ein Unsinn! So ein riesiger Unsinn!“

Da blitzten die Augen der Frau. „Unsinn? Gut! Wenn du Unsinn sagst, dann soll dir diese Wurst an der Nase kleben bleiben, damit du merkst, was du angerichtet hast!“

Im selben Moment sprang die Wurst vom Tisch, sauste durch die Luft und klatschte dem Holzfäller mitten auf die Nase. Fest. Unverschämt fest.

Lustiges Märchen: Die drei dummen Wünsche

Der Holzfäller schielte, so gut er konnte, denn vor seinen Augen wippte nun die Wurst bei jedem Atemzug. Er griff danach, zog, zerrte, rüttelte, doch die Wurst blieb haften.

„Mmmh! Mmmhmm!“, brummte er empört, und das klang so komisch, dass die Frau für einen winzigen Augenblick fast lachen musste. Doch dann sah sie sein Gesicht, die Wurst mitten drauf, und ihr wurde heiß und kalt zugleich.

„Oh nein“, stöhnte sie. „Der zweite Wunsch… Der zweite ist weg!“

Sie packte die Wurst mit beiden Händen und zog. Der Holzfäller taumelte nach vorn, seine Füße rutschten über den Boden, und seine Augen wurden noch runder.

„Aua!“, rief er, so gut es ging, und klatschte dabei mit der Wurst beinahe gegen den Tisch.

Die Frau holte ein Tuch, rieb, schob, drückte, versuchte es mit Wasser, versuchte es mit Seife, dann wieder mit Ziehen. Nichts half. Die Wurst blieb, wo sie war. Die Frau schluckte und presste hervor: „Wir haben nur noch einen Wunsch!“

Der Holzfäller nickte heftig, seine Wurst wippte dabei wie eine Fahne im Wind, und seine Augen sagten ganz klar: Mach das weg, sofort.

Die Frau lief im Kreis, blieb wieder stehen, lief noch einmal, raufte sich die Haare und redete schnell: „Gold nützt nichts mit Wurst im Gesicht. Ein neues Haus nützt nichts mit Wurst im Gesicht. Eine Kuh nützt nichts mit Wurst im Gesicht. Erst die Nase, dann… erst die Nase!“

Der Holzfäller machte wieder dieses wütende „Mmmhmm!“, und die Frau blieb endlich stehen, atmete tief durch und sprach jedes Wort deutlich, als würde sie es auf eine Waage legen:

„Ich wünsche, dass die Wurst sofort von seiner Nase verschwindet.“

Plopp. Die Nase war frei.

Der Holzfäller rieb sich das Gesicht, blinzelte, grinste vorsichtig und atmete auf. Die Frau sank auf den Stuhl, legte die Hände auf die Knie und schaute zum Tisch.

Dort lag die Wurst wieder. Warm, duftend, mitten in der Hütte, als wolle sie sagen: Hier bin ich, und hier bleibe ich.

Drei Wünsche waren fort. Kein neues Dach. Kein voller Keller. Keine Kuh. Nur eine Wurst.

Einen Augenblick lang sahen die beiden sich an, und dann brach die Frau in Gelächter aus. Der Holzfäller stimmte mit ein, lachte so sehr, dass ihm die Tränen kamen, und die Katze trat unter der Bank hervor und stolzierte beleidigt davon.

„Nun“, sagte der Holzfäller, noch immer kichernd, „wir haben keinen Schatz, doch wir haben eine Geschichte, die wir niemals vergessen werden.“

Die Frau wischte sich die Augen. „Und wir haben Abendessen.“

Dann schnitten sie die Wurst in zwei Stücke, aßen sie mit großem Appetit und lachten noch lange über ihre drei dummen Wünsche.

Hinweis: Diese Geschichte gehört zu einem alten, international verbreiteten Märchenmotiv („törichte Wünsche“) und ist in vielen Varianten überliefert – unter anderem bei Charles Perrault in Frankreich. Die hier vorliegende Version wurde frei und kindgerecht neu erzählt.

Wie gewonnen, so zerronnen

Lustiges Märchen aus Frankreich: Die drei dummen Wünsche

Manchmal kommt etwas Tolles ganz plötzlich, und dann geht es genauso schnell wieder verloren. Wenn der Kopf voller Aufregung ist, rutschen Worte heraus, bevor der Gedanke fertig ist. Dann kann aus einem Glücksmoment ein Durcheinander werden, und am Ende bleibt weniger übrig, als man am Anfang hatte.

Darum lohnt sich eine kleine Pause, bevor man etwas Wichtiges entscheidet oder sagt. Wer gut überlegt, merkt besser, was einem wirklich wichtig ist, und kann eine Chance klug nutzen.

Und wenn doch ein Fehler passiert, hilft es, darüber zu lachen, daraus zu lernen und beim nächsten Mal wacher zu sein.

Märchen „Die drei dummen Wünsche“ mit PDF-Download

Für alle, die lieber auf Papier lesen: „Die drei dummen Wünsche“ finden Sie auch als druckfreundliches PDF – herunterladen, ausdrucken und direkt vorlesen:

3 dumme Wünsche

Märchen „Die drei dummen Wünsche“ teilen

Märchen zum Vorlesen und Ausdrucken: Die drei dummen Wünsche
Märchen als Gute-Nacht-Geschichte, kostenlos zum Ausdrucken: Die drei dummen Wünsche
Die drei dummen Wünsche: Kinder-Gute-Nacht-Geschichte als Märchen, mit PDF zum Ausdrucken

Verwandte Geschichten-Sammlungen:

Weitere Märchen