Es wird Abend im Frühlingswald. Die Sonne ist verschwunden, und zwischen den Bäumen liegt ruhiges Licht. Aus der Erde steigt frischer Duft auf. Über den Wipfeln steht der Mond und leuchtet goldfarben.
Mila, die kleine Maus, sitzt vor ihrem Moosnest und gähnt. Eigentlich möchte sie sich sofort einkuscheln, doch sie will dem Wald noch Gute Nacht sagen. Also schiebt sie ein Blatt zur Seite, setzt einen Fuß ins Gras und spürt die Kühle. Sie atmet langsam ein und aus, bis ihr Herz ruhig schlägt.
Ein milder Wind fährt durch die Halme. Mila macht ein paar Schritte, vorsichtig und langsam, damit niemand erschrickt. Der Weg führt sie zum Bach am Waldrand. Dort bleibt sie stehen, hört hin und spürt, wie ihre Müdigkeit kurz nachlässt.
„Du bist noch wach“, sagt eine Eule von oben. Sie sitzt auf einem Ast und schaut hinunter. Mila nickt. „Nur kurz. Ich möchte dem Frühling Gute Nacht sagen.“
Die Eule blinzelt langsam. „Der Frühling arbeitet auch nachts. Knospen werden größer, Blätter werden kräftiger, und im Boden strecken sich Wurzeln. Morgen gibt es wieder mehr Grün.“
Aus dem hohen Gras kommt ein feines Zirpen. Viele kleine Insekten sind da und singen ihr Nachtlied. Mila lauscht und wird ganz ruhig.
Im Gebüsch raschelt es. Ein Igel schiebt Blätter zusammen und richtet sich sein Bett. Dann schnauft er einmal und bleibt entspannt liegen.
„Gute Nacht“, murmelt der Igel. „Gute Nacht“, flüstert Mila zurück. Am Bachufer quakt ein Frosch kurz, dann kehrt wieder Ruhe ein.
Die Eule neigt den Kopf. „Siehst du den goldenen Frühlingsmond?“, fragt sie. Mila nickt. Der Mond bleibt ruhig am Himmel, und das Licht fällt auf die jungen Knospen am Rand des Baches.
Ein Tier lässt in der Ferne ein zufriedenes Grunzen hören. Die Eule flüstert: „Das war ein Wildschwein. Es hat Futter gefunden.“
Mila nickt. In ihrem Bauch breitet sich ein gutes Gefühl aus. Sie denkt: Der Wald ist versorgt. Alle finden, was sie brauchen. Mila dreht um und geht langsam zurück zu ihrem Moosbau.
Unterwegs schaut Mila nach oben in den Himmel. Zwischen den Ästen sieht sie den goldenen Mond. Er leuchtet, und der Wald sieht geheimnisvoll aus.
Als sie ihr Nest erreicht, fühlt sich das Moos besonders weich an. Mila zieht ein Blatt über sich, atmet tief ein und lässt den Tag los.
„Gute Nacht, Frühling“, flüstert sie. „Gute Nacht, goldener Mond.“ Mila kuschelt sich tiefer ins Moos. Dann schließt sie die Augen. Und schon schnarcht sie ein kleines bisschen.
Wissen über den Frühlingswald
Im Frühling wächst vieles auch nachts weiter, obwohl wir schlafen. Pflanzen sammeln Kraft und bereiten neue Blätter und Blüten vor. Auch im Boden passiert viel: Wurzeln nehmen Wasser auf und halten die Pflanzen fest. Darum kann es sein, dass am nächsten Morgen schon wieder mehr Grün zu sehen ist.
Einige Tiere sind abends und nachts besonders aktiv, zum Beispiel Eulen und Igel. Eulen finden in der Dunkelheit gut zurecht, und Igel gehen dann auf Futtersuche. Auch Wildschweine sind gerne in der Dämmerung und in der Nacht unterwegs, weil sie dann in Ruhe nach Futter suchen und sich sicherer fühlen.
PDF-Download der Klanggeschichte „Der goldene Frühlingsmond“
Auch wenn die Klanggeschichte beim Vorlesen mit eingespielten Klängen am schönsten wirkt, können Sie die Gute-Nacht-Geschichte „Der goldene Frühlingsmond“ hier als PDF herunterladen und ausdrucken:
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