Im Garten lag noch vereinzelt Schnee. Er knirschte vom Frost beim Drübergehen und glitzerte. In der Sonne schmolz er schon ein bisschen.
Mia stapfte vorsichtig über den Gartenweg. Da entdeckte sie etwas Weißes, das sich durch den Schnee schob: die ersten Schneeglöckchen! Sie wippten im kühlen Wind.
Mia kniete sich hin. Neben dem Stiel waren winzige Abdrücke im Schnee. Sie sahen aus wie kleine Sternchen.
„Wer war hier?“, flüsterte Mia.
Sie folgte den Sternchen. Sie führten zu einer Stelle, an der der Schnee dünn war. Dort raschelte es im Laub.
Plötzlich schoss etwas Winziges hervor: eine Maus. Sie blieb einen Herzschlag lang stehen, die Nase zuckte, sie fiepte erschreckt, dann huschte sie weiter.
Mia hielt den Atem an. Die Sternchen-Spur ging weiter bis zum Busch.
Und da war noch etwas anderes: ein Schatten.
Mia sah zwei runde Abdrücke im Schnee. Viel größer als die Sternchen. Pfoten!
Ganz langsam schlich eine Katze hinter dem Busch hervor. Ihr Bauch war fast am Boden. Ihre Ohren standen wie zwei kleine Antennen.
„Oh nein“, dachte Mia. Sie kannte dieses Schleichen. Die Katze hatte die Maus gesehen. Vielleicht auch den Vogel, der gleich kommen würde.
Da hörte Mia ein kurzes „tschilp“. Eine Amsel hüpfte am Busch entlang und scharrte im Schnee, als würde sie nach Frühstück suchen.
Die Katze spannte sich an. Mia spürte ihr eigenes Herz klopfen. Sie wusste: Sie durfte die Katze nicht anschreien. Dann würde alles durcheinander geraten. Sie brauchte unbedingt einen Trick!
Da sah sie neben dem Gartenweg eine Pfütze. Darüber lag eine dünne, glänzende Eisschicht.
Mia setzte die Schuhspitze ganz vorsichtig an den Rand. Dann drückte sie ein bisschen.
Mia drückte vorsichtig. Das Eis knackte gleich beim ersten Mal. Sie drückte noch mehrere Male nach, und die Eisschicht riss in kleinen Stücken auseinander.
Die Katze zuckte zusammen und hob den Kopf. Ihre Augen waren auf einmal bei Mia.
In diesem Moment passierte alles gleichzeitig. Die Maus schoss unter die Hecke. Die Amsel flatterte aufgeregt hoch in den Busch. Und die Katze blieb einen Augenblick stehen, als müsste sie überlegen, was wichtiger war: das Geräusch oder die Jagd.
Mia trat einen Schritt zurück. Ganz ruhig. Sie wollte die Katze nicht erschrecken, nur ablenken.
Die Katze blinzelte. Dann drehte sie sich um, schnupperte noch einmal am Schnee und trottete davon.
Mia merkte erst jetzt, dass sie wieder atmete. Oben am Busch wippte ein Ast, und die Amsel schaute zu Mia herunter. Unter der Hecke bewegte sich kurz etwas. Die Maus war in Sicherheit.
Mia sah das Schneeglöckchen an und dann den schmelzenden Schnee daneben. So sah’s aus, wenn sich der Frühling langsam ankündigt. Mia wusste: Ab jetzt wird sie jeden Tag etwas Neues entdecken.
Mia lächelte. „Heute hab ich euch geholfen“, dachte sie zufrieden bei sich.
Fröhlich ging sie zum Gartenzaun, öffnete das Tor und machte sich auf den Weg zur Schule.
Woran erkennt man den Frühling?
Im Frühling wird es langsam wärmer, und überall passiert wieder mehr. Schnee und Eis schmelzen, man hört öfter Tropfen, und die Tage werden heller.
An Zweigen werden die Knospen dicker, und manchmal blühen schon die ersten Blumen, zum Beispiel Schneeglöckchen.
Auch die Tiere zeigen, dass der Frühling kommt. Vögel singen und suchen nach Futter, Insekten und Käfer krabbeln wieder herum, und im Boden wird es lebendig. Wenn du genau hinschaust, findest du viele kleine Zeichen – und plötzlich merkst du: Der Frühling ist wirklich da.
PDF-Download der Klanggeschichte „Der Pfützen-Trick“
Auch ohne Soundeffekte lässt sich die Geschichte ganz wunderbar vorlesen – ein paar kleine Klangideen machen sie einfach noch lebendiger. Wenn Sie „Der Pfützen-Trick“ lieber griffbereit haben möchten, können Sie diese Klanggeschichte für Kinder hier als PDF herunterladen und ausdrucken:
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