Der Wind und die Sonne

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Fabel Der Wind und die Sonne mit Bildern für Kinder erzählt von Betina Graf

An einem Vormittag gerieten der Wind und die Sonne am Himmel aneinander. Der Wind fegte über Felder, rüttelte an Ästen und rief: „Ohne mich bewegt sich hier gar nichts! Ich bin der Stärkste!“

Die Sonne antwortete: „Stärke heißt: Du schaffst, was du dir vornimmst. Wir machen eine Probe: Wer einen Wanderer dazu bringt, seinen Mantel auszuziehen, gewinnt.“

Unten auf dem Weg tauchte ein Wanderer auf. Er trug einen Mantel, eine Mütze und einen Schal. Kaum kam er des Wegs, griff der Wind nach ihm. Der Mann zog den Mantel vorne fest zu, damit der Wind nicht hineinfuhr, und hielt den Schal am Hals.

„Jetzt passe auf!“, rief der Wind. Er blies einen kräftigen Stoß. Blätter wirbelten über den Weg, Zweige knackten, Staub stieg auf.

Der Wanderer setzte den Fuß fester auf, zog den Kragen hoch und ging weiter. Der Wind wurde noch entschlossener. Er blies erneut, dann wieder, dann ohne Pause.

Der Mantel flatterte, die Mütze rutschte schief, der Schal zerrte am Knoten. Der Wanderer blieb stehen, drehte sich zur Seite und stellte sich so hin, dass der Wind ihn nicht von vorn traf.

Das ärgerte den Wind. Er jagte um den Wanderer herum, blies von links, von rechts, von hinten. Er riss an den Mantelkanten und drückte kalte Luft an die Beine.

Der Wanderer stapfte weiter, suchte eine Hecke am Wegrand und ging dicht daran entlang. Dort kam der Wind schlechter heran. Trotzdem gab der Wind nicht auf. Er holte tief Luft, blies so stark, dass die Bäume sich bogen, und rief: „Zieh ihn aus! Los!“

Der Wanderer band den Schal fester, setzte die Mütze wieder gerade und ging weiter. Der Wind spürte, wie ihm die Kraft ausging. Er hatte alles gegeben, doch erreicht hatte er das Gegenteil. Schließlich ließ er nach und knurrte: „Der hält an seinem Mantel fest. So komme ich nicht weiter.“

Jetzt war die Sonne an der Reihe. Sie schob Wolken zur Seite und schickte warme Strahlen auf den Weg.

Der Wanderer merkte es sofort. Er atmete freier und lockerte den Schal. Die Sonne wärmte Rücken, Hände und Gesicht. Der Mann ging langsamer, weil ihm warm wurde.

Er öffnete seinen Mantel ein Stück, dann noch ein Stück. Nach einigen Schritten nahm er die Mütze ab und fuhr sich über die Stirn.

Die Sonne blieb freundlich und gleichmäßig. Der Wanderer trank einen Schluck aus seiner Flasche, setzte sich auf einen Stein und legte den Schal neben sich.

Dann stand er wieder auf, zog den Mantel aus und trug ihn über dem Arm weiter.

Die Sonne sagte: „Druck macht Menschen hart. Wärme macht es ihnen leicht, nachzugeben.“

Hinweis: Diese Fabel ist eine kindgerechte, neu erzählte Version der bekannten Äsop-Fabel „Der Wind und die Sonne“.

Was Milde bewirken kann

Fabel nach Äsop: Der Wind und die Sonne

In der Fabel gewinnt die Sonne, weil sie mit Wärme und Freundlichkeit arbeitet. Das nennt man „Milde“. Milde bedeutet: ruhig bleiben, freundlich sprechen, niemanden drängen und trotzdem klar sein. Wer milde handelt, macht es anderen leichter, mitzumachen.

Viele Menschen werden bei Druck stur. Dann halten sie noch fester an dem fest, was sie gerade tun – so wie der Wanderer seinen Mantel enger zuzieht.

Das heißt nicht, dass man immer nachgeben muss. Milde kann auch bedeuten, eine gute Lösung zu finden, bei der sich niemand klein fühlt. Ein Beispiel: Statt „Mach das sofort!“ kann man sagen: „Komm, wir schaffen das zusammen“ oder „Ich zeige dir kurz, wie es geht“. So bleibt die Stimmung besser, und das Ziel wird oft schneller erreicht.

PDF-Download der Fabel „Der Wind und die Sonne“

Wenn Sie die Fabel gern griffbereit haben möchten, können Sie „Der Wind und die Sonne“ kostenlos als PDF herunterladen. So lässt sie sich bequem speichern oder ausdrucken – ideal für Zuhause, die Kita oder den Unterricht:

Wind und Sonne

Fabel „Der Wind und die Sonne“ kurz mit Moral

Wind und Sonne stritten, wer von ihnen stärker sei. Da kam ein Wanderer mit fest zugezogener Jacke vorbei, und sie machten aus: Wer sie ihm auszieht, gewinnt. Der Wind tobte und riss, doch je mehr er blies, desto fester hielt der Wanderer seine Jacke. Dann schien die Sonne warm und freundlich – und der Wanderer öffnete sie von selbst und zog sie schließlich aus.

Die Moral: Mit Wärme und Geduld erreicht man oft mehr als mit Druck und Gewalt.

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