Es war einmal ein Prinz, der wollte heiraten. Aber nicht irgendeine junge Frau sollte seine Gemahlin werden. Eine wirkliche Prinzessin musste es sein, daran ließ er nicht rütteln.
Das war freilich leichter gesagt als getan.
Der Prinz reiste von einem Königreich zum nächsten. Er besuchte prächtige Schlösser, saß an langen Tafeln und lernte eine Prinzessin nach der anderen kennen. An Prinzessinnen mangelte es wahrlich nicht. Doch bei jeder gab es etwas, das ihn zweifeln ließ. Manchmal konnte er selbst nicht recht sagen, was es war. Irgendetwas stimmte einfach nicht.
Nach langer Zeit kehrte er deshalb allein nach Hause zurück. Seine Reise hatte ihm viele schöne Städte und fremde Länder gezeigt, eine Braut aber hatte er nicht gefunden. Darüber war er ziemlich betrübt.
Eines Abends zog ein schweres Unwetter über das Schloss. Der Regen rauschte herab, der Wind pfiff um die Türme, und immer wieder grollte der Donner. Wer nicht unbedingt vor die Tür musste, blieb an diesem Abend lieber drinnen.
Da klopfte es am Schlosstor.
Der König ließ öffnen. Vor der Tür stand eine junge Frau, die der Regen gründlich erwischt hatte. Das Wasser lief ihr aus den Haaren, ihr Mantel war völlig durchnässt, und ihre Schuhe waren voller Schlamm.
„Ich bin eine Prinzessin“, sagte sie. „Darf ich die Nacht in eurem Schloss verbringen?“
Natürlich durfte sie hereinkommen.
Als die Königin jedoch hörte, dass der unerwartete Gast eine Prinzessin sein wollte, betrachtete sie die junge Frau ganz genau. Nun ja – in diesem Zustand hätte wohl niemand besonders königlich ausgesehen. Trotzdem wollte die Königin gern wissen, ob die Fremde die Wahrheit sagte.
Sie verriet niemandem, was sie vorhatte.
In der Schlafkammer nahm sie sämtliche Matratzen und Federbetten vom Bett. Ganz unten legte sie eine einzige kleine Erbse auf das Bettgestell. Dann ließ sie zwanzig Matratzen darauf stapeln. Und weil ihr das offenbar noch nicht genügte, kamen obendrauf noch zwanzig weiche Federbetten.
Dort sollte die junge Frau schlafen.
Die Prinzessin wusste von der ganzen Sache natürlich nichts. Sie war müde von ihrer Reise, bedankte sich für das Nachtlager und legte sich zu Bett.
Am nächsten Morgen erschien sie beim Frühstück. Besonders ausgeschlafen sah sie nicht aus.
Die Königin ließ sich nichts anmerken.
„Habt Ihr gut geschlafen?“, fragte sie.
„Ach, überhaupt nicht“, antwortete die junge Frau. „Irgendetwas war mit meinem Bett. Es muss etwas Hartes darin gelegen haben. Ich habe mich die halbe Nacht herumgedreht und kaum ein Auge zugetan. Heute Morgen tut mir alles weh.“
Da wusste die Königin genug.
Wer eine winzige Erbse durch zwanzig Matratzen und zwanzig Federbetten hindurch bemerken konnte, musste eine ganz außergewöhnlich empfindsame Prinzessin sein. Für die Königin jedenfalls war die Sache damit entschieden.
Und der Prinz? Der war überglücklich. So lange hatte er gesucht, und nun war die Prinzessin ausgerechnet an einem stürmischen Abend von selbst an das Schlosstor gekommen.
Bald darauf wurde Hochzeit gefeiert.
Die kleine Erbse aber kam nicht zurück in die Küche. Dafür hatte sie inzwischen eine viel zu wichtige Rolle gespielt. Man legte sie in eine kostbare Schatulle und bewahrte sie sorgfältig auf.
Und wenn sie niemand heimlich herausgenommen hat, dann liegt sie vielleicht noch heute darin.
„Die Prinzessin auf der Erbse“ stammt aus Dänemark und gehört zu den bekannten Märchen von Hans Christian Andersen. Er veröffentlichte es erstmals im Jahr 1835. Auf kurze-geschichten.de finden Sie das Märchen in einer neuen Nacherzählung in eigenen Worten – sprachlich etwas zugänglicher und so gefasst, dass Kinder der Handlung gut folgen können und sich der Text schön vorlesen lässt.
Eine Erbse mit großer Aufgabe
Erbsen sind klein, rund und getrocknet ziemlich hart. Trotzdem würde wohl niemand eine einzelne Erbse durch zwanzig Matratzen und zwanzig Federbetten hindurch spüren. Genau darin liegt der Witz des Märchens: Hans Christian Andersen macht aus einer winzigen Erbse eine geradezu unglaubliche Prüfung.
Eine eindeutige Moral hat „Die Prinzessin auf der Erbse“ nicht. Man kann das Märchen aber als augenzwinkernde Geschichte darüber lesen, dass sich nicht alles am äußeren Eindruck erkennen lässt. Die junge Frau sieht nach dem Unwetter alles andere als königlich aus – und trotzdem ist sie genau die Prinzessin, nach der der Prinz so lange gesucht hat. Gleichzeitig übertreibt Andersen die Prüfung so stark, dass man darüber ruhig ein wenig schmunzeln darf.
Eine kleine Erbse für die Märchenmappe
Möchten Sie „Die Prinzessin auf der Erbse“ später noch einmal lesen oder gemütlich vorlesen? Hier können Sie das Märchen als PDF herunterladen und ausdrucken. So darf die berühmte Erbse mitsamt Prinzessin, Matratzen und Schloss direkt mit nach Hause.
„Die Prinzessin auf der Erbse“ stammt aus Dänemark und gehört zu den bekannten Märchen von Hans Christian Andersen. Er veröffentlichte es erstmals im Jahr 1835. Auf kurze-geschichten.de finden Sie das Märchen in einer neuen Nacherzählung in eigenen Worten, die den ursprünglichen Märchenstoff bewahren will, sprachlich aber etwas leichter für Kinder zugänglich ist.
Zwanzig Matratzen und eine kleine Erbse
„Die Prinzessin auf der Erbse“ darf gerne weiterreisen. Hier finden Sie drei Pinterest-Bilder zum Teilen und Merken – für alle, die klassische Märchen, kleine Kuriositäten und eine ziemlich berühmte Erbse mögen.
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