Goldstaub im Frühling

Es war einer dieser milden Frühlingstage, an denen Leni am liebsten schon morgens barfuß in den Garten lief. Die Steinplatten waren noch kühl, besonders dort, wo die Sonne noch nicht hingekommen war. Nach ein paar Schritten störte sie das nicht mehr.

Mama goss die Radieschen, und Leni schlenderte zum Apfelbaum. Eigentlich wollte sie nur nachsehen, ob unter dem Baum wieder Ameisen unterwegs waren. Stattdessen blieb sie stehen.

Aus den Blüten brummte es.

Leni suchte zwischen den Zweigen. Der Apfelbaum war so voll mit weißen und rosa Blüten, dass sie eine ganze Weile nichts fand. Dann wackelte eine davon.

Darin steckte eine Hummel.

So tief, dass ihr Kopf kaum noch zu sehen war. Ihr runder Hinterleib ragte aus der Blüte, und als sie zur nächsten krabbelte, schwankte der dünne Zweig unter ihrem Gewicht.

„Mama, komm mal. Die hat richtig Fell.“

Mama stellte die Gießkanne ab, kam herüber und betrachtete die Hummel. „Die sieht wirklich aus, als hätte sie sich noch nicht vom Winter getrennt.“

Leni fand, dass Hummeln tatsächlich ein bisschen so aussahen, als hätten sie vergessen, ihren Winterpullover auszuziehen.

Leni hielt ein bisschen Abstand. Eine Hummel war schließlich kein Stofftier, auch wenn sie so aussah – und gestochen werden wollte sie nun wirklich nicht.

Also schaute sie nur.

Die Hummel kroch in eine Blüte, kam wieder heraus, hangelte sich zur nächsten und verschwand dort gleich wieder mit dem Kopf. Dabei brummte sie so vergnügt vor sich hin, als gäbe es an diesem Vormittag nichts Besseres als Apfelblüten.

Nach einer Weile entdeckte Leni etwas Gelbes an ihren Hinterbeinen.

Erst sah es aus wie ein bisschen Staub. Bei der nächsten Blüte war es schon mehr.

„Die hat Gold an den Beinen.“

Mama beugte sich vor. Es war Pollen, erklärte sie. Den sammelte die Hummel für ihr Nest.

Pollen.

Leni kannte das Wort. Goldstaub gefiel ihr trotzdem besser.

Die Hummel strich sich mit den Beinen über den Körper und hob kurz darauf ab. Diesmal flog sie so dicht an Leni vorbei, dass das Brummen auf einmal ziemlich gewaltig klang.

Leni duckte sich.

Die Hummel flog einfach weiter.

Leni sah ihr hinterher. „Die hätte auch außen rum fliegen können.“

Mama musste lachen. Sie erzählte, dass beim Herumkrabbeln immer etwas von dem gelben Pollen von einer Blüte zur nächsten gelangte. Und genau das brauchte der Apfelbaum, damit später Äpfel wachsen konnten.

Leni blickte in die Krone.

Das war schwer vorstellbar. Die Blüten waren klein und weich und sahen überhaupt nicht so aus, als könnten daraus einmal schwere Äpfel werden.

Die Hummel war inzwischen weitergezogen. Mal tauchte sie zwischen den Blüten auf, mal hörte Leni nur ihr Brummen. Einmal glaubte sie schon, sie sei weggeflogen. Kurz darauf wackelte ein Zweig auf der anderen Seite des Baumes.

Am Abend stand Leni im Schlafanzug noch einmal am Fenster.

Im Garten war es still geworden. Die hellen Apfelblüten konnte man auch in der Dämmerung noch erkennen. Die Hummel nicht.

„Die hat bestimmt Feierabend“, meinte Leni.

Mama war gerade dabei, eine Socke aufzuheben, die seit dem Morgen unter Lenis Bett gelegen hatte. „Nach dem Tag hätte sie ihn verdient.“

Fakten zur Hummel kurz und bündig

Gute-Nacht-Geschichte mit einer Hummel

Hummeln sind flauschige Insekten, die man oft auf Blumen sieht. Sie trinken dort Nektar – das ist ihr „Energiesaft“ – und sammeln Pollen, also feinen Blütenstaub. Wenn sie von Blüte zu Blüte fliegen, bleibt ein bisschen Pollen hängen, und so helfen sie Pflanzen dabei, später Samen oder Früchte zu bilden.

Für Kinder sind Hummeln meistens nicht gefährlich, solange man sie in Ruhe lässt. Am besten schaut man nur zu, hält etwas Abstand und fuchtelt nicht mit den Händen. Dann kann die Hummel ganz entspannt weitertrinken und „Goldstaub“ sammeln.

PDF-Download der Einschlafgeschichte „Goldstaub im Frühling“

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Goldstaub im Frühling

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Ein bisschen „Goldstaub“ kann man sich ruhig für später aufheben. Auf Pinterest können Sie „Goldstaub im Frühling“ speichern oder die Geschichte mit anderen teilen, die Hummeln, Frühlingsblüten und kleine Entdeckungen in der Natur genauso gern mögen.

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