Der kleine Chef

Ben hatte sein Raumschiff fast fertig gebaut, als Mama ihn bat, die Bausteine vom Esstisch zu nehmen. Ausgerechnet jetzt, wo nur noch die Landeklappe fehlte.

„Ihr bestimmt auch immer alles“, murrte er.

Papa drehte sich zu ihm um. „Möchtest du es mal versuchen? Bis heute Abend bist du der Chef.“

Ben sah ihn an. „Ich darf entscheiden, was wir machen?“

„Beim Herd helfe ich dir allerdings“, sagte Mama.

„Dann bin ich das nächste Mal Chefin“, meldete sich Nele. Sie war fünf und fand, dass Ben schon oft genug an der Reihe gewesen war, obwohl es eine solche Reihe bisher gar nicht gegeben hatte.

Ben holte einen Block. Ganz oben schrieb er: KEIN AUFRÄUMEN. Darunter: PFANNKUCHEN ZUM ABENDESSEN. Damit waren die wichtigsten Dinge geklärt, fand er.

Als Erstes wollte er mit allen „Mensch ärgere dich nicht“ spielen. Papa holte schon den Karton, doch Nele schob ihn zurück. Sie wollte lieber Verstecken spielen, und zwar sofort.

Ben hätte einfach auf seinem Spiel bestehen können. Er war schließlich der Chef. Aber Nele saß mit verschränkten Armen da und betrachtete ihre Socken.

„Erst Verstecken, dann mein Spiel“, entschied er.

Nele war auf der Stelle wieder vergnügt. Sie versteckte sich hinter dem Wohnzimmervorhang. Ihre Füße schauten darunter hervor, und der Stoff wackelte verdächtig. Papa suchte vorsichtshalber erst unter dem Tisch. Das gefiel Nele so gut, dass sie noch eine Runde verlangte. Und noch eine.

Als Ben endlich die Spielfiguren aufstellte, war es schon halb sechs. Sie kamen kaum zum Spielen, bevor Mama nach den Pfannkuchen fragte.

„Um sechs“, sagte Ben.

„Dann müssten wir langsam den Teig machen.“

Ben sah auf seine rote Spielfigur, die noch immer im Startkreis stand. Einmal wollte er wenigstens eine Sechs würfeln. Es wurde eine Zwei.

In der Küche lag noch sein halbfertiges Raumschiff auf dem Esstisch, ringsherum die Bausteine. Mama holte die Rührschüssel. „Hier können wir den Teig machen. Aber wo essen wir nachher?“

„Am Tisch“, sagte Ben.

„Auf deinem Raumschiff?“

Die Tragfläche ragte quer über zwei Platzsets. Ben strich KEIN AUFRÄUMEN durch und sammelte die Steine ein. Nele half ihm. Für die Landeklappe fand sich später sicher noch Zeit.

Bis Ben den Tisch freigeräumt hatte, war es fast sechs. Er rührte den Teig, Mama gab die Zutaten dazu. Papa deckte den Tisch, und Nele legte die Servietten hin.

„Wann gibt es endlich Pfannkuchen?“, fragte sie.

Ben wies auf die Pfanne. „Die müssen erst noch gebacken werden.“

Dass man Pfannkuchen nicht einfach um sechs auf den Tisch stellen konnte, bloß weil es auf seinem Zettel stand, hatte er vorher nicht bedacht.

Kurz nach sechs saßen alle beim Essen. Papa bekam den ersten Pfannkuchen, der ein wenig zu dunkel geraten war. Er nahm sein Messer und kratzte vorsichtig die schwarzen Stellen vom Pfannkuchen. „So, jetzt sieht er doch schon viel besser aus.“

„Und?“, fragte Mama. „Wie war dein Nachmittag als Chef?“

Ben schnitt einen Pfannkuchen in Streifen. Dann blickte er auf das Brettspiel, das noch auf dem Sideboard stand, und auf den Block mit seiner durchgestrichenen Regel.

„Morgen könnt ihr wieder bestimmen“, sagte er.

„Gut“, meinte Papa. „Dann bestimme ich, dass wir dein Spiel zu Ende spielen.“

Ben nickte zufrieden.

„Und übermorgen bin ich Chefin!“, rief Nele.

Ben sah sie an. „Denk aber daran, rechtzeitig mit dem Abendessen anzufangen.“

Nele überlegte. „Bei mir gibt es einfach Brote.“

„Gute Idee“, sagte Ben. „Die müssen nicht in die Pfanne.“

Warum braucht ein Pfannkuchen Zeit?

Gute-Nacht-Geschichte: Der kleine Chef, hier backt er Pfannkuchen

Ein Pfannkuchen besteht zunächst aus einem ziemlich flüssigen Teig aus Mehl, Milch und Eiern. In der heißen Pfanne stockt das Ei, und die Stärke im Mehl nimmt Flüssigkeit auf und wird dicker. Dadurch wird der Teig nach und nach fest. Wenn die Unterseite fertig gebacken ist, kann der Pfannkuchen gewendet werden, ohne auseinanderzufallen.

Damit Pfannkuchen gleichmäßig braun werden, darf die Pfanne nicht zu heiß sein. Bei zu großer Hitze wird die Unterseite schnell dunkel, während der Teig darüber noch weich ist. Das kann sogar erfahrenen Köchen passieren. Mit mittlerer Hitze lässt sich die Bräunung besser kontrollieren.

In einer gewöhnlichen Pfanne wird meistens nur ein großer Pfannkuchen auf einmal gebacken. Für eine vierköpfige Familie dauert es deshalb eine ganze Weile, bis alle versorgt sind. Werden zehn oder zwölf Pfannkuchen gebraucht, ist man damit durchaus eine halbe Stunde beschäftigt. Ben hätte also nicht nur entscheiden müssen, was es zu essen gibt, sondern auch, wann mit dem Backen angefangen werden soll.

Bens großer Chef-Nachmittag zum Ausdrucken

Einmal selbst bestimmen dürfen – das wäre doch etwas! Ben bekommt diese Gelegenheit, doch seine eigenen Regeln machen ihm bald Schwierigkeiten. Die lustige Geschichte „Ben und der Tag, an dem er Chef war“ gibt es hier kostenlos als PDF zum Herunterladen und Ausdrucken.

Kleiner Chef

Drei Bilder von Bens großem Chef-Tag

Ein Nachmittag, an dem Ben bestimmen darf, bietet reichlich Gelegenheit für lustige Situationen. Die drei Pinterest-Bilder zeigen unterschiedliche Augenblicke aus seiner Geschichte: seine ersten Entscheidungen, die Sache mit dem gemeinsamen Spielen und das Pfannkuchenbacken. Alle drei Motive können einzeln auf Pinterest geteilt werden.

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