Das Versteck am Wiesenweg

An diesem Nachmittag war Tim mit seiner Oma auf dem Weg zur alten Wiese. Er lief ein paar Schritte voraus und kickte einen kleinen Stein über den Kies. Hinter sich hörte er das leise Klacken von Omas Stock. Beim nächsten Tritt sprang der Stein ins Gras.

Am Wegrand lag ein Haufen aus größeren und kleineren Steinen. Den Steinhaufen kannte Tim. Normalerweise lief er einfach daran vorbei. Heute blieb sein Blick daran hängen.

Auf einem flachen Stein lag eine Eidechse.

Sie war so unscheinbar, dass Tim sie beinahe übersehen hätte. Ihr Rücken hatte fast dieselbe Farbe wie der Stein, nur der kleine Kopf hob sich ein wenig ab. Die Eidechse lag ganz still in der Sonne.

„Oma, guck mal.“

Oma trat neben ihn und beugte sich etwas vor. „Die wärmt sich etwas auf.“

Tim wollte sie genauer sehen und ging einen Schritt näher.

Das genügte.

Die Eidechse schoss zwischen die Steine und war verschwunden.

Tim starrte auf die Stelle. „So schnell?“

Er ging in die Hocke. Zwischen den Steinen entdeckte er mehrere dunkle Spalten, schmale Ritzen und kleine Hohlräume. Irgendwo da drin musste sie sein.

Oma blieb ein Stück hinter ihm stehen. Tim war so vertieft, dass sie gar nichts sagte.

Er wartete.

Zuerst passierte gar nichts. Ein Käfer krabbelte über einen Stein. Im Gebüsch raschelte es kurz, und weiter hinten fuhr jemand mit dem Fahrrad vorbei. Tim verlagerte sein Gewicht von einem Fuß auf den anderen.

„Meinst du, sie kommt noch mal raus?“

Oma sah ebenfalls zum Steinhaufen. „Kann sein. Wir können noch ein bisschen warten.“

Nach einer Weile bewegte sich am anderen Ende des Steinhaufens etwas. Zwischen zwei Steinen tauchte ein kleiner Kopf auf. Tim hielt ganz still.

Die Eidechse spähte vorsichtig um sich, wartete noch einen Augenblick und kroch dann ganz hervor. Nicht dort, wo sie verschwunden war, sondern mehrere Steine weiter.

Tim drehte sich zu seiner Oma um. „Die hat ja einen richtigen Weg da durch.“

Oma lächelte. „Die kennt ihren Steinhaufen wahrscheinlich in- und auswendig.“

Die Eidechse kroch auf einen sonnenwarmen Stein und legte sich wieder hin. Tim sah ihr noch ein bisschen zu. Dann gingen er und Oma weiter zur Wiese.

Auf dem Rückweg wurde Tim schon vor dem Steinhaufen langsamer. Die Eidechse war nicht mehr zu sehen. Er schaute trotzdem noch eine Weile zwischen die Steine.

„Morgen gucken wir wieder.“

Oma wartete ein paar Schritte weiter auf ihn. Als Tim sie eingeholt hatte, gingen sie zusammen nach Hause.

Eidechsen-Fakten kurz und bündig

Gute-Nacht-Geschichte: Das Versteck am Wiesenweg

Eidechsen sind kleine Reptilien mit Schuppenhaut und einem langen Schwanz. Weil sie „kaltblütig“ sind, brauchen sie Wärme von außen: Darum sitzen sie gern auf sonnigen Steinen oder Mauern, bis ihr Körper warm genug ist, um flink zu laufen.

Wenn eine Eidechse Angst bekommt, flitzt sie blitzschnell in eine Spalte oder unter einen Stein. Am besten beobachtet man sie aus ein bisschen Abstand und bewegt sich langsam – dann bleibt sie oft länger zu sehen. Manche Eidechsen können sogar ihren Schwanz abwerfen, wenn sie sich stark bedroht fühlen. Der wächst später wieder nach, aber das kostet viel Energie – deshalb: lieber nur schauen und in Ruhe lassen.

PDF-Download der Einschlafgeschichte „Das Versteck am Wiesenweg“

Hier können Sie die Gute-Nacht-Geschichte „Der Gast im Wald“ als PDF downloaden und ausdrucken:

Versteck am Wiesenweg

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Manche Geschichten passen besonders gut zu einem ruhigen Nachmittag, einem Spaziergang oder einer kleinen Pause zwischendurch. „Das Versteck am Wiesenweg“ können Sie sich auf Pinterest merken und so jederzeit wiederfinden – oder mit jemandem teilen, der kleine Naturgeschichten für Kinder mag.

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