Beim Großvater gab es Pfefferkuchen aus einer Blechdose. Arvid durfte sich nehmen, so viel er wollte, nur den Deckel musste er wieder festdrücken. Der Großvater hörte es vom Ofen aus, wenn er bloß lose auflag.
Diesmal lag neben der Dose die Zeitung mit der Ankündigung der Weihnachtsfeier.
»Wieder der Weihnachtsmann«, brummte der Großvater. »Der kommt wenigstens ohne Hörner durch die Tür.«
Früher war er selbst als Julbock aufgetreten. Mit einem Sack auf dem Rücken hatte er im Schulsaal gestampft und die Kinder beschenkt. Nun machten seine Knie das nicht mehr mit. Den Ziegenkopf hatte er aber noch.
Arvid war elf und durfte endlich die schwere Truhe öffnen. Unter einer Wolldecke lag der Kopf, mit blank geriebenen Hörnern und einem struppigen Bart. Der Großvater zeigte ihm die Schnur für den Unterkiefer.
Arvid schlüpfte hinein, zog daran – klack!
Bosse fuhr aus seinem Körbchen hoch und rutschte auf den Dielen bis unter den Tisch. Dort blieb er, obwohl der Großvater ihm einen Pfefferkuchen hinhielt.
Arvid übte noch eine Weile vor dem Küchenspiegel. Durch die Augenlöcher sah er wenig, doch mit dem Maul konnte er bald recht ordentlich klappern.
Am nächsten Morgen ging er zu Frau Lund, die die Weihnachtsfeier vorbereitete. Sie hörte sich seinen Plan an und gab ihm den Schlüssel zum Geräteraum hinter dem Schulsaal. Dem Großvater sagte Arvid nichts. Der sollte ruhig auf seinen Weihnachtsmann warten.
Am Festabend schleppte Arvid den Kopf durch den Hintereingang. Dazu hatte er den alten Pelzmantel bekommen, dessen Ärmel ihm bis über die Fingerspitzen reichten. Im Geräteraum war kein Spiegel. Er zog alles an und hoffte, dass es stimmte.
Als drinnen das Lied zu Ende war, stieß er mit dem Fuß die Tür auf.
Zunächst ging es prächtig. Die Kinder drehten sich um. Ein kleiner Junge kletterte auf die Bank, um besser sehen zu können. Arvid stampfte vorwärts und zog an der Schnur.
Nichts klapperte.
Er zog fester. Die Schnur hatte sich irgendwo hinter seinem Ohr verfangen. Der Unterkiefer hing herunter und blieb hängen. Arvid versuchte, unter den Kopf zu greifen, kam aber mit dem dicken Ärmel nicht hinein.
»Der gähnt ja!«, rief jemand.
Ein paar Kinder lachten. Arvid wurde heiß. Der Kopf drückte auf seine Schultern, und nun rutschte ihm auch noch ein Augenloch vor die Nase. Er wollte rückwärts zur Tür, trat auf den Mantelsaum und musste stehen bleiben.
Da sah er die Schuhe seines Großvaters.
Der Alte rückte ihm den Kopf zurecht. Dabei beugte er sich dicht an den Ziegenbart.
»Nimm meine Mütze. Und wenn ich dir auf die Nase tippe, niest du.«
Dann hielt er dem Bock seine Wollmütze vors Maul.
Arvid begriff gerade noch rechtzeitig. Er bekam die Mütze von unten zu fassen und zog sie hinein. Der Großvater hielt den Zipfel fest. Er stemmte die Schuhe gegen den Boden und zerrte, als hinge sein Leben an dieser Mütze. Schließlich ließ er los und stolperte bis zur ersten Bank.
Jetzt lachten auch die Erwachsenen. Einige kannten das noch.
Der Großvater kam zurück, schimpfte leise mit dem Bock und tippte ihm auf die Nase.
Arvid holte Luft. Sein Niesen dröhnte in dem hölzernen Kopf. Zugleich schleuderte er die Mütze durchs offene Maul. Sie landete vor Frau Lunds Füßen.
Der Großvater hob sie auf, prüfte sie von allen Seiten und setzte sie verkehrt herum auf.
Arvid lachte immer noch, als sein Großvater ihn am Horn in den Geräteraum führte. Gemeinsam hoben sie den schweren Kopf herunter. Arvid wischte sich mit dem Ärmel über die Stirn.
Im Saal war der Weihnachtsmann schon bei der Bescherung. Der kleine Junge, der vorhin auf die Bank geklettert war, kam ihnen entgegen.
»Kommt der Bock nächstes Jahr wieder?«
Der Großvater schaute zu Arvid.
»Wenn wir das Maul wieder hinkriegen«, sagte Arvid.
Zu Hause legten sie den Ziegenkopf auf den Küchentisch. Der Großvater leuchtete hinein, während Arvid vorsichtig an der Schnur zog. Sie hing an einem kleinen Nagel fest. Mit einer Zange bog der Großvater ihn um und machte die Schnur frei.
Arvid zog noch einmal.
Klack!
»Geht wieder.«
Der Großvater verstaute den Kopf in der Truhe. Als er den Mantel darüberlegen wollte, hielt Arvid einen Ärmel fest.
»Die müssen aber kürzer werden. Ich konnte mit den Händen gar nichts machen.«
Der Großvater zog den Mantel wieder heraus.
»Dann zieh ihn noch mal an.«
Der Julbock – als in Schweden noch ein Ziegenbock die Geschenke brachte
In Schweden brachte früher nicht immer der Weihnachtsmann die Geschenke. Bei manchen Weihnachtsfeiern erschien stattdessen der Julbock, ein Mensch in einem Ziegenkostüm. Er konnte ziemlich unheimlich aussehen, laut stampfen und allerhand Unfug treiben. Doch trotz seines wilden Auftretens hatte der Weihnachtsbock auch eine erfreuliche Aufgabe: Er verteilte Geschenke an die Kinder.
Besonders im 18. und 19. Jahrhundert gehörte der Julbock in Schweden zu den weihnachtlichen Bräuchen. Später übernahm der Jultomte, der schwedische Weihnachtsmann, die Rolle des Geschenkebringers. Ganz verschwunden ist der Julbock aber nicht. Heute schmücken viele schwedische Familien ihr Zuhause mit kleinen Ziegenböcken aus Stroh, die meist rote Bänder tragen.
In der schwedischen Stadt Gävle gibt es sogar einen riesigen Julbock. Seit 1966 wird dort jedes Jahr zur Adventszeit ein etwa zehn Meter hoher Ziegenbock aus Stroh errichtet. Im Inneren steckt ein stabiles Gerüst aus Holz. Der gewaltige Bock ist längst eine Berühmtheit und gehört zu den bekanntesten Weihnachtsfiguren Schwedens.
Vier Quizfragen zur Geschichte
Beantworten Sie die vier Quizfragen und sammeln Sie Ihren Geheimbuchstaben für das Weihnachtsgeheimnis. Sie können Ihre Antworten jederzeit verbessern. Den Geheimbuchstaben mit seiner Positionsnummer finden Sie auch auf dem Quizblatt, das Sie - weiter unten nach den vier Quizfragen - kostenlos als PDF herunterladen können.
Arvids geheimer Auftritt zum Mitnehmen
Laden Sie sich die Weihnachtsgeschichte „Ein Bock auf der Bühne“ als PDF herunter und begleiten Sie Arvid bei seinem Versuch, einen alten schwedischen Weihnachtsbrauch wieder aufleben zu lassen. Lesen Sie die Geschichte gemeinsam mit den Kindern oder nutzen Sie sie als Vorlesegeschichte in der Weihnachtszeit.
Passend zur Geschichte können Sie vier Quizkarten zum schwedischen Julbock herunterladen. Erfahren Sie gemeinsam mit den Kindern mehr über den früheren Geschenkebringer und sammeln Sie auch die Quizkarten zu den Weihnachtsbräuchen anderer europäischer Länder. Mit jedem Quiz kommen vier neue Karten hinzu.
Auf dem Quizblatt zu dieser Weihnachtsgeschichte befindet sich ein Geheimbuchstabe mit seiner Positionsnummer. Gemeinsam ergeben die Buchstaben aller 45 Länderquizze eine weihnachtliche Botschaft.
Mit Lösungsheft als PDF – nach dem Entschlüsseln der Weihnachtsbotschaft.
Ein Julbock für die Pinterest-Pinnwand
Die drei Pinterest-Bilder zur Geschichte „Ein Bock auf der Bühne“ zeigen den schwedischen Weihnachtsbock in unterschiedlichen Momenten seines Auftritts. Speichern Sie die Motive für Ihre Weihnachts-Pinnwand oder teilen Sie die Geschichte mit anderen Familien, die gern gemeinsam lesen.
Mehr Geschichten für Kinder: