Der heimliche Weizendieb

Am Montag vor Weihnachten fehlte Klaras Weihnachtsweizen ein ganzes Stück. Rechts standen die Halme dicht und hoch, links waren sie nur noch halb so lang. Dabei hatte gestern noch alles ausgesehen wie eine kleine, grüne Wiese.

Am 13. Dezember, dem Luciatag, hatte Klara die Körner selbst ausgesät. In ihrer Familie gehörte der grüne Weizen zum kroatischen Weihnachtsfest. Jeden Morgen hatte sie nachgesehen, ob schon etwas wuchs. Bei den ersten grünen Spitzen holte sie sogar ihren Vater aus dem Badezimmer. Er hatte noch Rasierschaum auf einer Wange.

Und jetzt das! Auf dem Küchentisch lagen eine Schere und grüne Papierschnipsel. Ihre kleine Schwester Nika hatte gestern Tannenbäume fürs Fenster gebastelt. Klara rief sie herbei. „Hast du meinen Weizen abgeschnitten?“

Nika kam mit einem Papierstern in der Hand. „Wieso sollte ich?“ Sie betrachtete die Schale. „Vielleicht wächst er da langsamer.“ „Gestern war er noch gleich hoch!“, erwiderte Klara. Nika verdrehte die Augen. „Dann war ich es trotzdem nicht.“ Sie ging in ihr Zimmer und schlug die Tür zu.

Am nächsten Morgen fehlten noch mehr Halme. Diesmal waren sie auch zerzaust. Klara betrachtete eine Spitze ganz genau. Das Ende war ausgefranst, nicht glatt wie nach einem Schnitt. Ihre Mutter beugte sich über die Schale. „Da hat wohl jemand Appetit gehabt.“

„Nika isst doch keinen Weizen!“ Die Mutter lachte und holte die Plätzchen aus dem Ofen. Klara fand zwei kleine Krümel Erde auf der Fensterbank, daneben einen abgerissenen Halm.

Als Nika aus der Schule kam, zeigte Klara ihr die neuen Schäden. „Wenn du mir nicht glaubst, müssen wir eben aufpassen, wer das macht“, sagte Nika. Klara war einverstanden. Als es abends im Haus ruhig wurde, schlichen sie in die Küche. Die Schale stand wieder auf der Fensterbank.

Hinter der halb geöffneten Küchentür saßen sie auf dem Boden. Die kleine Lampe über der Spüle brannte. Bald rutschte Nika ungeduldig hin und her. Sie wollte gerade fragen, ob sie sich ein Plätzchen holen dürfe, als im Flur etwas auf den Boden sprang.

Weihnachtsgeschichte: Der heimliche Weizendieb

Miki, ihr grau getigerter Kater, trottete herein. Er schaute kurz zur Tür, sprang auf die Fensterbank und steckte die Nase mitten in den Weizen. Dann begann er, genüsslich an den Halmen zu kauen.

Nika presste die Hand auf den Mund. Klara sprang auf. „Miki! Das ist Weihnachtsweizen!“ Der Kater kaute weiter und sah sie dabei gelassen an. Erst als Klara die Schale hochhob, sprang er auf den Boden und trottete hinaus. Nika prustete los. Klara lachte mit.

Am nächsten Morgen säten die Schwestern eine kleine Schale Weizen für Miki aus. Klaras Schale kam ins Wohnzimmer, die Tür blieb zu. Nika half, die zerzausten Halme aufzurichten. „Und?“, fragte sie schließlich. Klara wusste genau, was sie meinte. „Tut mir leid, dass ich dich verdächtigt habe.“

An Heiligabend banden sie ein rot-weiß-blaues Band um die Schale. Der Weizen stand auf einer Seite immer noch etwas niedriger. Großmutter betrachtete ihn beim Decken des Tisches und fragte, warum er so ungleichmäßig gewachsen sei.

„Er ist schon geerntet worden“, sagte Nika. „Von Miki.“

Die Großmutter lachte. Unter dem Tisch saß der Kater und putzte sich die Pfoten. Seine eigene Schale stand in der Küche. Miki hatte schon zweimal hineingeschnuppert, aber noch war kein einziger grüner Halm zu sehen.

Warum wächst in Kroatien zu Weihnachten Weizen?

Der heimliche Weizendieb, hier: Weihnachtsweizen

In Kroatien gehören kleine Schalen mit frischem Weizengrün zu Weihnachten. Viele Familien säen die Körner am 13. Dezember aus, dem Tag der heiligen Lucia. Bis Heiligabend wachsen daraus lange, dicht stehende Halme. Der Weihnachtsweizen heißt auf Kroatisch božićna pšenica.

Auf dem Weihnachtstisch bekommt der Weizen einen besonderen Platz. Häufig werden die Halme mit einem Band in den kroatischen Farben Rot, Weiß und Blau zusammengebunden. Früher galt kräftig gewachsener Weihnachtsweizen als gutes Zeichen für die Ernte im kommenden Jahr. Die Menschen wünschten sich, dass auf den Feldern ebenso viel und kräftiges Getreide wachsen würde wie in der kleinen Schale.

Die Weizenkörner brauchen Feuchtigkeit und Wärme, damit sie keimen. Sobald die ersten grünen Spitzen zu sehen sind, wachsen die Halme bei genügend Licht schnell weiter. Manche Katzen mögen das junge Weizengras ebenfalls und knabbern gerne daran. Unbehandelter, schimmelfreier Weizen ist für Katzen normalerweise unbedenklich. Bänder und andere Dekorationen sollten allerdings außer Reichweite der Tiere bleiben.

Die Geschichte mit dem Weizendieb kostenlos mit Quiz zum Download

Klara kümmert sich seit dem Luciatag um ihren Weihnachtsweizen – bis eines Morgens jemand davon genascht zu haben scheint. Was sie und ihre Schwester Nika schließlich herausfinden, erzählt diese humorvolle Weihnachtsgeschichte aus Kroatien. Hier können Sie die Geschichte kostenlos als PDF herunterladen und ausdrucken.

Kleiner Weizendieb

Warum säen viele Familien in Kroatien im Dezember Weizen aus? Und was hat es mit den grünen Halmen auf sich? Die vier Quizkarten enthalten kurze Fragen rund um diesen kroatischen Weihnachtsbrauch und können auch unabhängig von der Geschichte verwendet werden.

Die Quizkarten lassen sich hier kostenlos herunterladen, ausdrucken und ausschneiden. Zusammen mit den Karten zu den anderen Ländern können sie gesammelt werden. So entsteht nach und nach ein bunter Stapel mit Fragen zu den unterschiedlichsten Weihnachtsbräuchen Europas.

Quiz zu Kroatien

Drei Bilder zu Klaras Weihnachtsweizen

In Kroatien gehört frisch ausgesäter Weizen zur Weihnachtszeit. Auch Klara kümmert sich um ihre kleine Schale mit den grünen Halmen. Doch dann geschieht etwas, womit sie nicht gerechnet hat. Zur humorvollen Weihnachtsgeschichte gibt es drei liebevoll illustrierte Bilder, die Sie gerne auf Pinterest teilen können.

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